Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175628
Hans Holbein d. 
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schaffen, die zum Erfreulichsten gehören, was die altdeutsche Kunst 
hervorgebracht. Es sind gleichsam Knospen der deutschen Renais- 
sance, die dann sein Sohn Hans zu voller Blüthe erschlossen. Man 
hatte sie deshalb, allerdings auch mitverführt durch jene oben er- 
wähnten Fälschungen eines intriguanten Restaurators, längere Zeit 
für Jugendwerke des Sohnes genommen, den man um jeden Preis zu 
einem frühreifen Genie Stempeln wollte. Doch hat eine nüchterne 
Untersuchung, angebahnt durch die Zweifel H. Grimms und W. Schmidts, 
sowie durch des Letzteren kritische Untersuchungen und die drirch 
E. His und Woltmann herbeigeführte Entdeckung der Urkunden- 
und InschriftenfälSChung, das Kartenhaus dieser Täuschungen um- 
geworfen. Man hat sich überzeugt, dass die Augsburger Skizzen- 
bücher, die als Ganzes oder als lose Blätter in den Sammlungen zu 
Berlin, Basel, Kopenhagen, Bamberg, Weimar u. a. zerstreut sich 
finden, Holbein d. ä. angehören, obwohl sie Porträtstudien enthalten, 
die in ihrer charaktervollen Schärfe, Wahrheit und Einfachheit des 
jüngeren Hans Holbein werth wären und hat auch die hier in Frage 
kommenden Gemälde, das Votivbild des Bürgermeisters Ulrich Schwartz, 
die für das Katharinenkloster gemalten Bilder von 1512 mit der fa- 
talen Inschrift, die den jüngeren Holbein als Maler angab und seine 
Geburt in das Jahr 1495 verlegen wollte, aber nach dem Tode ihres 
Urheberseiner Terpentinprobe wich, das Diptychon von 1513 und 
endlich das berühmteste von Allen, den Sebastiansaltar in der alten 
Pinakothek zu München, Holbein d.  zurückgegeben.  
Das Schwartz'sche._Epitaph war als Erinnerung an jenen wegen 
autokratischer Ausschreitungen 1478 zu Augsburg hingerichteten 
Bürgermeister Schwartz von seiner Familie im Jahre 1507[8 zu St. 
Ulrich gestiftet worden (jetzt im Besitze des Banquiers G. von Stetten 
ebendort) und enthält oben GottjuYyater, wie er eben das Schwert 
strafenden Zornes auf Fürbitten seines Sohnes, der die Wunden, und 
Mama's, die ihre Mutterbrust zeigt, in die Scheide birgt, darunter 
knieend 35 Glieder der Familie, der Bürgermeister selbst links an 
der Spitze seiner Söhne und Enkel, rechts seine Cllltäääallel] mit den 
Töchtern und Enkelinnen; am Schwertknauf das Monogramm in Form 
zweier H, die durch einen gemeinsamen Querstrich verbunden sind. 
Dieses Bild steht an der Schwelle der neueren Zeit durch seine vielen 
indmduellene Köpfe, sowohl in den Bildnissen der Familie, als selbst 
bei den drei heiligen Personen, für die dem Meister nicht mehr die 
co_nventionellen Typen des 15. Jahrhunderts genügten, sondern für 
die er Naturstudien, wenn auch keine besonders geschmackvollen, 
machte. Ä 
Sehnaases Kunstgesch. VIII. 29
        

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