Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175613
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Schulen. 
oberdeutschen 
Die 
gebrachten stehen bleiben oder dasselbe nur durch Aufnahme frem- 
der,_nicht selbst geschöpfter Kunstformen bereichern, während sie 
einem schlichten Gefühle folgen, sind bei ihm VegsQnd___und_ P2133. 
tasie in aufgeregterfThätigkeit. Freilich stand er dabei nichtAall-ein, 
sonaemxneine nur einer Strömung, die in der Zeit lag. Augen- 
scheinlich steht er in enger Beziehung zu Martinaßchongauer; schon 
die Aeusserungen des Schönheitssinnes in den früheren Bildern sind 
diesem verwandt, aber besonders die Tafeln von Kaisheim lassen 
keinen Zweifel. Die Motive der Passion, die Auffassung des Hei- 
landes im Gegensatz gegen die Gemeinheit seiner Gegner sind ganz 
ähnlich," und die mephistophelischen Figuren H0lbein's haben ihr ent- 
schiedenes und geistreiches Vorbild in dem Judas auf Schongauefs 
Kupferstichen. In dem Bilde von St. Paul, dem Höhepunkte seiner 
Leistungen aus der I. Periode, ist er freilich selbstständig und geht 
schon zu etwas Neuem über, aber doch so, dass der Ausgang von 
jenem grossen Meister noch wohl erkennbar ist. Schgggauer war es 
zuerst gewesen, der mit den realistischen Tendenzen der Eyck'schei1 
Schule die Anforderung tieferenpsychologischer Ejfgründung und 
einen Hangmzuin Phantastischen und Romantischen verband, den wir 
hier nöch in ganz ähnlicher Weise wiederfinden, nur dass Holbein 
diese Elemente, die bei Schongauer noch etwas disparat erscheinen, 
mehr verschmolzen, dadurch aber freilich etwas an idealer Hoheit 
eingebüsst und sich einer fast genreartigen Auffassung genähert hat. 
Eigenthümlich scheint er, soviel wir nach den wenigen erhaltenen 
Bildern Schongauefs urtheilen können, besonders in (gar Farbe, die 
wesentlich zu jenem Resultate beiträgt, und es ist ü erhaupt nicht 
nothwendig, dass er, wie sein etwas jüngerer Landsmann Hans Burgk- 
inair, Schongauefs unmittelbarer Schüler gewesen, da er alle jene 
Anregungen ebensowohl durch das Studium seiner Kupferstiche er- 
halten haben kann. Aber die Wirkung dieses allgemein verbreiteten 
Hülfsmittels war doch bei ihm eine eigenthümliche, und er bildet 
daher ein Mittelglied zwischen Schongauer und zwischen der etwas 
spatern Generation deutscher Künstler, in welchen sich sowohl das 
Phantastische als das Realistische einseitiger ausbildeten. 
[Jener oben von Schnaase so fein charakterisirte Geist Holbein's, 
den er einen lebendig, fast unruhig strebenden nennt, der sich nie 
befriedigt, sondern nach einem höheren noch unbekannten Ziele ringt, 
 dieser Geist führt den Meister in der That noch in vorgerücktem 
Alter zu einer für ihn höchstenßhhiiännderlllimickßlung. Er lässt 
ihn die Fesseln des Mittelalters, die das 15. Jahrhundert zwar ge- 
lockert, aber noch nicht völlig abgestreift, überwinden und Werke
        

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