Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175539
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Die oberdeutschen Schulen. 
in welchem Töchter der vornehmsten Augsburgischen Hauser zu sein 
pflegten, das Privilegium verliehn, dass ihnen der Ablass, den der 
Besuch der sieben grossen Basiliken Roms gewahrt, ohne wirkliche 
Reise zu Theil werden sollte, wenn sie diesen Besuch geistig im Ge- 
bete vornehmen. Dies veranlasste dann im Jahre 1496 (wie ich aus 
einer Andeutung in einem der Bilder schliesse nach. einer Bestä- 
tigung des Privilegii durch Alexander VI.) zu dem Beschluss, sich 
diesen geistigen Besuch durch malerische Darstellung und zwar in 
ihrem Kapitelsaale zu erleichtern. Sie beschränkten sich dabei, ent- 
weder weil dieser Saal Gnu? soviel geeignete Wandflächen enthielt, 
oder aus einem andern Grunde, auf sechs Bilder, indem die Basili- 
ken S. Lorenzo und S. Stefano in einer wTafel vereinigt wurden, und 
zogen, vielleicht weil llVandmalerei sie zu lange am Gebrauche des 
Kapitelsaals gehindert haben würde, Tafelbilder vor, die nun aber 
das ganze spitzbogige Wandfeld füllen und dessen Gestalt annehmen 
mussten. An Portraitdarstellung jener Basiliken, die bei den Be- 
ziehungen Augsburgs zu Italien nicht schwer zu erlangen gewesen 
wären, ist keinesweges gedacht; zwar kommt auf jedem Bilde das 
Aeussere oder Innere einer Kirche vor, mit ausdrücklicher Aufschrift 
des Namens der betreffenden Basilika, aber ohne die entfernteste 
Aehnlichkeit oder nurgRiicksichtnahme auf die Gestalt des Originals. 
Dagegen ist stets ausser der Kirche die Gesgliichttjz" des Heiligen, dem 
sie geweiht, und eine Scene aus dem Leben Christi 1), zuweilen auch 
noch die Legende einefaiidern", von der Stifterin besonders verehrten 
Heiligen dargestellt, und zwar so, dass alle diese Scenen nicht durch 
steife Einrahmung, sondern durch in Gold aufgetragene architekto- 
nische Arabesken von einander gesondert sind. 
Das älteste sämmtlicher aus dem Katharinenkloster stammenden 
Bilder ist nicht von grosser künstlerischer oder kunsthistorischer Be- 
deutung. Es wurde im Jahre 1499 vollendet, ist eine Gedenktafel 
dreier Nonnen, die auch leibliche Schwestern waren, der lferonica, 
Walbuiga und Christina Vetter, und enthält ganz oben dieKrönung 
Maria, darunter in sechsBildern dasieidenlllgiisti, in den Seilen- 
winkeln aber theils die Veronica mit dem Scuhweisstuche, theils die 
Bildnisse der bejahrten Stiftelrinnen. Die Bilder enthalten zwar cha- 
rakteristische, oft portraitartige Gestalten in dreister und jjgllerßl" 
Zeichnung, sind aber Hüchtig und roh in einer mehrdaltierthümlichen 
 1) Meistens aus der Passion, nur bei S. Maria maggiore, wie schon erwähnt, 
(118 Krönung der Jungfrau durch die Trinität. Ohne Zweifel war ein ritueller 
Grund für die Wahl dieser Gegenstände, muthmasslich in dem Inhalte der zum 
Zwecke des Ablasses vorgeschriebenen Gebete.
        

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