Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175372
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Die 
Schulen. 
oherdeutschen 
In den städtischen Urkunden von Ulm kommt sein Name nicht 
eher als 14841), bei Gelegenheit seiner Besteuerung in den Bürger- 
verzeichnissen nur 1504, 1516 und 1517 vor, und diese seltene Er- 
wähnung sowie der Umstand, dass seine bekannten Bilder sämnitlich 
auswärts in ziemlich weitem Umkreise von Ulm gefunden sind, leitet 
auf die Vermuthung, dass er auch als Meister noch häufig ausserhalb 
dieses seines eigentlichen Wohnsitzes gelebt habe. In der Chronik 
des Nonnenklosters zu Kirchheinr wird bei Gelegenheit eines feind- 
lichen Ueberfalles im Jahr 1487 des "Meisters Barthlome des Malers" 
und „der Malerin" als hülfeleistender Personen gedacht, was ver- 
muthen lässt, dass Zeitblom beilsolchen auswärtigen Arbeiten seine 
Ehefrau mit sich geführt. 
Unter diesen seinen bekannten Werken scheint der Altar der 
Schlosskaßellemzu Kilchberg beiwflfübingen, einer Besitzung der Ulmischen 
PatriTzimamilieuuderwlähingerlljetzt von 'I'essin), von welchem die Flügel 
mit den fast lebensgrossen Gestalten der Heiligen Georg, Florian, 
Geschäfts eines Kupferstechers, bedeute, und so auf Zeitblom bezogen werden 
könne. Mit Rücksicht darauf, dass dieser Meister B. S. muthmaasslich ein Schüler 
Martin Schongauerls war, und dass er eines seiner Blätter bei Gelegenheit einer 
Hochzeit in Patricierfamilien von Frankfurt im Jahr 1466 gearbeitet hat, durch 
das Mittelglied einer Reihe zusammengehöriger Federzeichnungen in der Fürst- 
lichen Sammlung zu Wolfegg bei Ravensburg in Schwaben (vgl. E. Förster, Denk- 
male. Band III), und die darauf gestützte kühne Annahme, dass Zeitblom vorüber- 
gehend sein künstlerisch es Handwerk bei Seite legend als Maschinist oder Büchsen- 
meister dem Herrn gefolgt sei und dann erst späterhin sich in Schüleinls Werk- 
statt der Malerei gewidmet habe, entsteht aus jener ersten Hypothese eine so 
vollständige Biographie, wie wir sie von keinem Künstler des 15. Jahrhunderts 
besitzen. Ich enthalte mich des Urtheils über die Identität jener beiden Kupfer- 
stecher, finde aber die Aehnlichkeit zwischen den Blättern des Meisters B. S. und 
Zeitblom's Bildern so gering und allgemein und die Deutung des Buchstabens S 
als Stecher, d. i. Kupferstecher so sehr dem Sprachgebrauche und den gewerb- 
lichen Verhältnissen des 15. Jahrhunderts widersprechend, dass damit die ganze 
Hypothese fällt. Auch spricht Zeitblonfs Bildniss auf dem Altare vom Heerberge 
in Stuttgart mit der Jahreszahl 1497, das ihn als einen Mann von 40-50 Jahren 
zeigt, dagegen, dass er schon 1466 als Kupferstecher in Frankfurt gearbeitet habe. 
Viele einzelne Bemerkungen des Aufsatzes sind indessen, wie sich von einem so 
feinen Kenner wie Harzen erwarten liess, sehr gut und brauchbar. 
1) Grüneisen und Manch, a. a. O. S. 43. Weyermann (im Kunstbl. 1830, S. 356) 
behauptet zwar, dass Zeitblom schon 1473 Mitglied einer St. Lucas-Brüdersehaft 
zu Ulm gewesen, an welcher die Maler, Bildhauer, Glaser und Buchdrucker Theil 
nahmen, allein wie Harzen a. a. O. S. 13 mit Recht bemerkt, irrthümlich. Denn 
die von Weyermann selbst beigebrachte Urkunde, bei welcher Zeitblom als Mit- 
glied und Deputirter der Bruderschaft auftritt, ist vom Jahre 1499, und der Vertrag 
vom Jahre 1473 ist darin bloss angeführt, ohne dass irgend etwas für Zeitbl0m's 
Theilnahme an demselben spricht.
        

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