Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175335
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Schulen. 
oberdeutschen 
Die 
zogener Linien gibt, besonders in Verbindung mit dein milden Farben- 
ton doch einen Eindruck, welcher an die ideale Schule der vorigen 
Epoche erinnert, der aber auch wiederriniti der Gemüthlichkeit und 
Weichheit des alemannischen Stammes zusammenhängt und uns ebenso 
auch an das langsame Tempo und die seelenvollen Töne des schwäbischen 
Volksliedes erinnert.  
Man hat die Einführung der flandrischen Kunst auch hier dem 
Friedrich Herlen zuschreiben wollen, allein dies gründete sich theils 
darauf, dass man das Votivbild des Hans Genger in Nördlingen, wie 
schon oben angezeigt mit Unrecht, für eine Arbeit des Zeitblom hielt 
und daraus schloss, dass er in Herlen's Schule gewesen sei, theils 
auf der in der Kunstgeschichte sehr stark herrschenden Neigung, die 
Hergänge an bereits bekannte Namen zuknüpfen. Selbst die oft 
wiederholte Angabe, dass das jetzt völlig verlöschte grosse jüngste 
Gericht über dem Triumphbogen im Ulmer Münster, dessen Jahres- 
zahl 1470 noch lesbar ist, von Jesse Herlen, dem Sohne Friedrichs, 
gemalt sei, hat nur in dieser Neigung und in einer Verwechselung 
mit der Darstellung desselben Gegenstandes von seiner Hand in 
Nördlingen ihren Grund. Der ilandrische Einfluss kam gewiss nicht 
bloss auf einem Wege und durch 87312311 "Meister in diese Gegend; 
die ganze Kunstwelt war davon erfüllt. Wenn es wahr ist, wie man 
versichert, dass der Rath von Nördlingen den Beschluss über die 
Berufung Herlen's darauf gründete, dass dieser „mit niederländischer 
Arbeit umzugehen wisse" 1), so beweist schon dies, dass "diese Arbeit 
hier nicht unbeläaiiiitwwar, und lässt darauf schliessen, dass sie schon 
vor jenem von anderen Meistern geübt und dass das Begehren da- 
nach in den grösseren Städten nicht geringer war wie in Nördlingen. 
Auch besitzen wir mehrere schwäbische Bilder, welche, wenn auch 
nicht früher als Herlen so doch gleichzeitig mit ihm, einen entschie- 
denen aber anders aufgefassten flandrischen Einfluss zeigen. S0 die 
Grablegung und der Zug der drei Könige im Museum zu Stuttgart 
(Nr. 428 und 441), so ferner die zwei Tafeln mit der Geschichte des 
heiligen Ulrich in St. Ulrich und Afra zu Augsburg und endlich in 
1) Die Thatsache wird von allen Kunsthistorikern wiederholt, scheint aber 
(obgleich Waagen a. a. O. S. 325 Beyschlagüs Buch dafür citirt) nur auf der Autorität 
des wenig zuverlässigen Weyermann a. a. O. S. 172 zu ruhen. Da dieser indessen 
ausdrücklich das "Bürgerbnch" citirt, wird man annehmen dürfen, dass er darüber 
bestimmte Nachricht gehabt. Die von mir in Mülleüs Papieren gefundene Abschrift 
der protokollarischen Notiz über Herlen's Bürgereid (s. o. S. 408) enthält diese 
Clausel zwar nicht, steht dem aber nicht entgegen, da der Vereidigung ein Be- 
schluss vorhergegangen sein kann und wird.
        

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