Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175284
Friedrich Herlen. 
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ordnung ganz der niederwdischen Weise. Auf der Mitteltafel sitzt 
die heil. Jungfrau auf dem Throne, ganz in Roth gekleidet mit dem 
Christüskindewaiif ihrem Schoosse; zwei Engel heben hinter ihr den 
leppichiu Zu ihrenRechten steht der heil. Lucas im rothen pelzver- 
brämten Kleide der Aerzte, zu ihrer Linken die heil. ltfargaretha mit 
der lfrleuzeslanze, "beide Heilige noch [dadurch bezeichnet, dass auf 
der Thronlehne neben ihnen hier der Stier des Lucas, dort der von 
jener Heiligen überwundene Drache, gleichsam wie kleine zur Ver- 
zierung aufgestellte Erzgruppen angebracht sind. Von ihnen empfohlen 
knieen dann vor ihnen hier der Donator mit gelblichem mageren Ge- 
sichte und im stattlichen schwarzen Pelzkleide nebst __vier Söhnen 
[über dem jüngsten Knaben sitzt auf einem Strebepfeiler eine Eule], 
dort fünf junge Mädchen, wahrscheinlich seine Töchter und hinter 
ihnen eine nonnenartig gekleidete Frau, vielleicht die verstorbene 
Frau, die in solcher Weise bezeichnet istl). Im Hintergründe sieht 
man eine Stadt. Auf dem einen Flügel ist die Gebirrtnßhristi dar- 
gestelltflwMaria im weissen Kleide und Joseph mit den greisenhaften 
Zügen, wie er bei Roger öfter vorkommt, knieen neben dem Christ- 
kinde, während hinter der Halle zwei schöne Frauen herantreten; 
auf dem anderen Flügel Christus als Knabe zwischen den Doctoren 
im Tempel in einer ziemlich ungeschickten und roh ausgeführten 
Composition. Die Bildnisse der Familie des Stifters könnten leben- 
digerusein, sonst aber ist die Mitteltafel von vortrefflicher Aus- 
führung und harmonischer als alle früheren Bilder des Meisters. 
Schwächer schon, obgleich noch recht zart und anmuthig ist die Ge- 
burt Christi, und noch bedeutend schlechter das andere Flügelbild. 
Dennoch ist gerade hier an einer Säule die ausführliche Inschrift: „Friz 
Herlen, Mallcr 1488" mit einem aus den Buchstaben F. H und R ge- 
bildeten Monogramm angebracht, während auf dem anderen Flügel 
nur dieses und auf der Mitteltafel nur am Rande die Jahreszahl: 
Anno Domini NICCCCLXXXVIII steht. Neben diesen seinen unzweifel- 
haften Bildern befindet sich ebenfalls im Rathhause zu Nördlingen ein 
bestritenes. Es stellt den Moment des Ecce homo dar; auf einer Altane 
zeigt Pilatus im Brokatgewande und Turban den mit dem Purpur- 
mantel bekleideten Heiland dem Volke, welches unten durch sieben 
Männer mit kräftigen Judengesichtern vertreten ist, von denen sechs 
I) Es ist ein ganz unbegründeter Einfall des Malers Müller, dem mehrere 
Schriftsteller gefolgt sind, dass das Bild eine Stiftung von Herlen selbst sei und 
dass die Porträts ihn mit seiner ganzen Familie darstellten. Der Stifter ist zu 
Folge seiner Tracht und seines Schutzheiligen wahrscheinlich eine Magistratsperson 
mit dem Vornamen Lucas. 
        

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