Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175276
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Die oberdeutschen 
Schulen. 
Hand sind, wie jene in Nördlingen; es sind ganz dieselben Motive, 
dieselben Anklänge an bekannte flandrische Bilder. Nur darin hat 
der Meister deutscher Sitte nachgegeben, dass er sie (mit Ausnahme 
der Darbringung im Tempel) auf Goldgrund gemalt hat; im Uebrigen 
jedoch ist seine Ausführung hier meisterlicher, doch immer noch 
seinen {iandrischen Vorbildern nachstehend. Der Tod Maria, bei dem 
es ihm an solchen fehlen mochte, ist auch steifer und ungeschickter, 
indessen mochte die etwas unbequeme breiteForm, der er seine 
Composition anpassen musste, diesen Fehler verschulden. Ganz an- 
ders wie dort und von höchster Schönheit sind aber die Statuen des 
SChTBlIIS, indem auch sie das Gepräge der Eyckschen Scliule tragen 
und sich durch edle Form und sinnigen Ausdruck, durch bessere Ge- 
wandbehandlung Lind reinere Zeichnung vor den meisten gleichzeitigen 
Arbeiten dieser Art. auszeichnen. Die Bemalung dieser Statuen ist 
von höchster Sgrgfalt und stimmt ganz mit den Flügelbildern über- 
ein, auch lautet die noch erhaltene Inschrift auf der Aussenseite der 
Flügel ganz unbeschränkt: „Dies Werck hat gemacht Frieerich Herlein, 
Moler 1466". Man wird daher annehmen dürfen, dass er selbst das 
Schnitgwerlg__gefertigt oder doch nach seinen Zeichnungen hat aus- 
führen lassen. In der Blutkapclle der St. J akobskirche ebendort ist ein 
Madonnenbild mit der heil. Barbara und der Familie der Stifterin be- 
wahrt, welches die Jahreszahl 1467 trägt, ohne Namen des Malers, aber 
von Waagen mit Recht unserem Meister zugeschrieben wird 1). [Daselbst 
befinden sich auch noch ein Schweisstuch der hl. Veronika und ein Ecce 
homo, welche ebenfalls von Herlen herrühren] Das nächste seiner 
Werke ist dann ein Altar in der St. Blasiuskirche zu Bopfingen, unfern 
Nördlingen, von dessen fast völlig zerstörter Inschrift noch die Jahres- 
zahl 1472 zu lesen ist 2). Das Schnitzwerlz ist hier geringer, die Ge- 
mäldejlerwflügel, die Geburt Christi und die Anbetung der Könige 
zeigen _Herlen'_s_ Hand, die Bilder aus der Legende des heil. Blasius 
auf der Aussenseite und die aus der Passion auf der Rückseite sind 
Wriüdererliand; muthmaasslich von Friedrich Walther von Dinkels- 
bühl, einem schon seit 1460 in Nördlingen ansässigen llIalei-3). Auf 
einem Flügelbilde vom Jahre 1488 (jetzt im RathhausveszuhNörd- 
lingen) entsciiricht nicht bloss die Ausführung, sondäifauch die An- 
1) Waagen, K. W. u. K. I. Thl. S. 329. 
2) Passavant, K. Bl. 1846 S. 178. 
ß) Ich fand dies in den Notizen des Malers Müller. Wie Grüneisen im Niclaus 
Manuel S. 71 nach den Deliciae urbis Bernae angibt, ist derselbe Friedrich Walther 
aus Nördlingen im Jahre 1470 in Bern gewesen und hat dort für die Glasgemälde 
des Münsterchors gearbeitet.
        

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