Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175251
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Die 
oberdeutschen Schulen. 
der hier eintretenden grösseren Höhe des Schreins) die eigentliche 
Handlung des Gerichts, nämlich ganz oben Christus als Weltrichter, 
darunE-irmfürbittend Maria und Johannes, endlich ganz unten kleiner 
die Auferstehungderfodten 1). Die lebensgrossen Statuen des Schreins 
und die der heil. Magdalena und des heil. Georg, welche jetzt neben 
den korinthischen Säulen der neuen Decoration angebracht sind und 
wahrscheinlich früher eine ähnliche Stellung hatten, so dass man sie 
zugleich mit den Bildern aus ihrer Legende sah, sind in einem ganz 
anderen Styleß) als die Schnitzbilder bei anderen Altären Herleifs 
und als seine Gemälde. In diesen zeigt er sich unverkennbar als 
treuen Schüler eines tiandrischen Meisters, wir können geradezu sagen 
Rogers, denn bei der Verkündigung und Darbringung im Tempel 
wiederholt er fast die Compositionen dieses Meisters auf seinem Bilde 
in der Münchener Pinakothek. Aber auch bei den anderen erkennen 
wir Handrische Reminiscenzen. Die Farbenwahl, die bequeme räum- 
liche Anordnung, die ausgeführten landschaftlichen Hintergründe mit 
der ääifwatten "Andeutung der Luftperspective [indess meist bläulich 
abgetönt], diearchitektönischeu Perspectiven zum Theil mit Formen, 
die er in Deutschland nicht, wohl aber in Belgien gesehen haben 
konnteä), endlich die völlige Verzichtleistung auf Anwendung des Gol- 
d,es weisen durchweg auf iiantlristtz-li! Vorbilder hin. Allerdings er- 
reicht er diese nicht in der Harmonie, Feinheit und Kraft der Farbe, 
aber er hat sich doch ihre Milde, Anmuth und Weichheit angeeignet, 
vermeidet die Uebertreibtingen der Oberdeutschen und zeigt sich über- 
haupt als einen tüchtigen und begabten Meister von feinem Gefühl, 
1) Bei meinem ersten Besuche in Nördlingen (1836), sowie bei den von Schorn 
(Kunstblatt 1836 Seite 7) und von Waagen (K. W. u. K. I. 347) waren die Flügel 
noch ungetrennt und auf der Rückwand des Altarschreines befestigt, so dass man 
nur die acht Bilder aus der Jugendgeschichte Christi sah und von der Existenz 
der dahinter befindlichen acht Bilder, sowie von den Gemälden der Rückseite nichts 
erfuhr. Dass die Anordnung die von mir angegebene war, ergibt sich aus der im 
Texte erwähnten grösseren Höhe der den überragenden Theil des Kreuzes decken- 
den Tafeln und aus der noch jetzt erhaltenen Rückwand, die bei der Renovation 
im Jahre 1683, wo man, um antikes Gebälk anzubringen, eine ungebrochene Linie 
brauchte, nur oben in den Winkeln ausgefüllt, übrigens aber unverletzt ist. 
2) Die Gewänder der beiden weiblichen Gestalten sind überladen, aber die 
Köpfe, besonders der des Christus, von ausserordentlicher Schönheit und von einer 
naturalistischen Durchbildung, die in so früher Zeit (1462) überrascht. Dass sie 
indessen aus der Zeit der Renovation des Altars, von 1683, stammen, ist nicht 
denkbar, und eine Erneuerung der Statuen im Anfange des XVI. Jahrhunderts, 
der man diese Formen und selbst die Plattenrüstung des heil. Georg zuschreiben 
müsste, aus anderen Gründen unwahrscheinlich. 
3) Bei der Präsentation im Tempel hat die Kirche ein Triforium mit geradem 
Gebälke, wie es in Belgien mehrmals vorkommt. 
        

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