Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175224
Friedrich 
Herlen. 
409 
Sein Todesjahr ist unbekannt 1), doch starb er ohne Zweifel zu Nörd- 
lingen, wo sein letztes Bild die Jahreszahl 1488 trägt, und wo er 
mehrere Söhne hinterliess, die ebenfalls hlalerMWaren und ihre Kunst 
wieder auf ihre Söhne bis in das XVII. Jahrhundert hinein vererbten. 
Von den frühesten Werken Friedrich Herlen's des Aelteren in 
Nördlingen hatten sich ztjeiwFlügel erhalten, ohne seinen Namen, aber 
in der durch seine beglaubigten Arbeiten bekannten Weise und an- 
geblich mit der Jahreszahl 1459 Y). 
Bald darauf, im Jahre 1462, hatte er Gelegenheit zu einer sehr 
1) Die Aufschrift des in Beyschlag's Buch a. a. O. erwähnten, früher in der 
Georgskirche, jetzt im Rathhause zu Nördlingen befindlichen Epitaphs lautet wört- 
lich: Anno Dom. 1591 den 12. Tag October starb der Erenhaft und {irnem 
Friedrich Herlin Stadtmaler allhie, und bezieht sich also nicht auf unsern Meister, 
auf den sie (ohne Beyschlag's Schuld) Passavant K. Bl. 1846, Seite 177, Förster in 
der Kunstgeschichte Seite 187 und Nagler in dem betreffenden Artikel seines 
Künstlerlexikons mit Abänderung der Jahreszahl in 1491, Fiorillo I. 382 aber und 
Becker im D. K. Bl. 1853, S. 293 sogar ohne solche Aenderung bezogen, obgleich sie 
so eben von seinem im Jahr 1462 ausgeführten Gemälde gesprochen haben. Dieser 
Stadtmaler, dessen Monument in jeder Beziehung den Charakter von 1591 trägt, 
ist also ein Enkel oder noch wahrscheinlicher Urenkel unseres Friedrich. Ueber- 
haupt wiederholen sich die Vornamen unter den Ahkömmlingen Friedrich Herlins des 
Aelteren, und schon Müller in dem II. Bande von Beyschlags Geschlechtshistorie 
verwechselt sie, während er ohne Beweise jedem derselben bestimmte Bilder bei- 
legt; _Fiorillo ist gerade hier nachlässiger wie je. Weyermann (1829) gibt noch 
mehr unverbürgte Nachrichten und Naglefs Lexikon hält sich verpflichtet, alles 
dies zu protokolliren. Da diese Nachkommen sämmtlich künstlerisch unbedeutend 
sind und schon der Jesse Herlin, der 1503 ein jetzt in der Bibliothek zu Nörd- 
lingen befindliches jüngstes Gericht malte (Grüneisen und Manch a. a. O. Seite 38) 
sich nicht mehr von den übrigen handwerksmässigen oberdeutschen Malern unter- 
scheidet, scheint es unnöthig, auf weitere Details einzugehen. 
z) Waagen a. a. O. I, 359 sah in Nördlingen bei dem Pfarrer der katholi- 
schen Kirche einen Altariiügel mit der Jahreszahl 1459, welcher die Anbetung 
der Könige und eine an einem Altar betende Nonne enthielt und den er Friedrich 
Herlen zuschrieb. Ich konnte ungeachtet der Nachfrage bei dem jetzigen Pfarrer 
und bei Nördlingemschen Kunstfreunden das Bild nicht entdecken, fand aber in 
den Papieren deserwähnten Johannes Mtiller eine Notiz, die sich darauf bezieht. 
Derselbe beschreibt nämlich zwei Flügel von Friedrich Herlen, als bei den Car- 
melitern beündlich, von denen der eine oben Maria. mit dem Kinde, dem sie einen 
Apfel reicht, und darunter die Beschneidung, der andere unten die Anbetung der 
Könige, darüber aber die heil. Ottilie als Nonne betend enthielt und worauf er 
eine Jahreszahl fand, die er zwar 1469 las, aber zugleich (weil sie ihm zweifel- 
haft sein mochte) abzeichnete, wo dann die dritte Ziifer eine ungewöhnliche ist, die 
aber keinestvegs 6, sondern nur 5 bedeuten kann und in dieser Bedeutung mehr- 
malg und zwar gerade in Schwaben sehr ähnlich vorkommt. Anz. f. K. d. d. Vor- 
zeit 1861, Seite 118. 152. [Der erstere der beiden Altariiügel mit Maria und dem 
Kinde und der Beschneidung, allerdings in zwei Theile zersägt, befindet sich jetzt
        

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