Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175074
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Schulen. 
oberdeutschen 
Die 
Ueber sein Geburtsjahr haben wir gar keine Nachricht, und wenn 
er, wie man nach seinem mit der Jahreszahl 14531) versehenen Bild- 
niss vermuthen muss, schon bald nach 1420 geboren sein sollte, 
Würde man annehmen müssen, dass er erst später von dem Geschäft 
des Goldschmiede zu dem des Malers und Kupferstechers übergegangen 
sei. Er starb schon im Jahre 14882). Albrecht Dürer, der den 
Wunsch gehabt hatte, unter ihm zu arbeiten, wurde durch den Tod 
des Meisters daran gehindert. Als er auf seiner Wanderschaft im 
Passavant, Peintre graveur II. 132. Einen in einem Manuscript in der Bibliothek zu 
Danzig vor dessen Beendigung im Jahr 1458 eingeklebten Kupferstich hielt Passa- 
vant früher (D. Kunstbl. 1850, S. 227) für eine Arbeit unseres Meisters, deren 
Datum mithin festgestellt wäre. Er hat sich indessen jetzt (Peintre graveur I. 201) 
davon überzeugt, dass derselbe ihm nicht gehört, sondern alterthümlicher ist. 
1) [Andere lesen 1483 und nehmen in Folge dessen eine spätere Geburtszeit 
Schongauefs an. Vgl. die scharfsinnig gegen einander abgewogenen Gründe Beider 
bei Woltmann, Geschichte der Deutschen Kunst im Elsass, S. 228 5.] 
2) Wir besitzen zwei urkundliche oder fast urkundliche Nachrichten über 
seinen Tod. Auf der Rückseite eines Bildnisses von Schongauer in der Pinakothek 
zu München Nr. 738 tindet sich ein Zettel mit unverkennbarer, aber zum Theil 
verletzter und zerstörter Schrift des fünfzehnten Jahrhunderts, folgenden Inhalts: 
ßlanllrr Martin [mungnulcr ßlalcr geucnt ijipß); 
itlntlilt um: wcgcnt [vinzr kunß gcboxn 311 
3x1 kulnmr. All: (t) 11m1 [cincn Öllcrn ain 
augInurgrr lmr (gcr) Dcs gcfdylrdu; uü hcrn 
gcnnruß) 11'. iß (grün) rbrn 31x laulmar umw 11.99 
(auf am) 21: (u Eng) ijurumlgßs. llcm guü gnnü. 
3d] [ein jüngst {jnus hurgkulnir in; im: 1488. 
In einem Kirchcnbuche des St. Martinstiftes zu Colmar dagegen findet sich 
notirt: „Martinus Schongawer, Pictorum gloria, legauit v. ss. pro Aniuersario suo 
et addidit 19 ss. 1 pf. ad Aniuersarium paternum a quo habuit minus Aniuersarium. 
obiit in die purificationis hIarie (anno etc. LXXXVIIIO)" Während also jene Nach- 
richt ihn am 2. Februar 1499 sterben lässt, setzt die zweite seinen Tod zwar auf 
denselben Tag, aber um 11 Jahre früher, 1488. Das Kirchenbuch zu Colmar 
ist aus älteren Notizen zusammengeschrieben, jener Zettel seines Schülers (wie 
nicht zu bezweifeln des nachher berühmten Hans Burgkmair) ist zwar eine Privat- 
notiz, tragt aber alle Zeichen der Echtheit. Dies veranlasste mich früher, un- 
geachtet des ofüciellen Charakters des Kirchenbuches in demselben einen Irrthum 
anzunehmen und der Versicherung Burgkmaiüs grösseren Glauben zu schenken, 
vgl. meinen Aufsatz in den Mittheilungen der k. k. Central-Commission etc. 1863, 
Seite 186. Ich muss jedoch, nachdem ich das fragliche Kirchenbuch selbst ein- 
gesehen, der Ansicht des Herrn His-Heusler (Naumannls Archiv Band XIII. 
1867, Seite 129 E.) beipiiichten, nach welcher durch die Einrichtung dieses 
Kirchenbuches die Möglichkeit des Irrthums ausgeschlossen ist, und Vielmehr die 
Jahreszahl 1499 in Burgkmaifs Notiz (welche in der That zwar deutlich geschrieben 
ist, aber eine Verschiedenheit der Tinte und mithin eine spätere Gorrectur annehmen 
lässt) irrig sein muss. Ich bekenne mich daher jetzt auch zu dem Todesjahre 1488, 
3) Andere lesen statt geporn  "casparn."
        

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