Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175061
Schongauer. 
Martin 
393 
Diese Namensveränderung hatte denn auch eine Verdunkelung 
seines Geburtsortes zur Folge, indem die Lokalforscher von Ulm 
und Augsburg auf ihn Ansprüche machten, die sich an den Namen 
Schön knüpften, welche man aber jetzt als vollständig widerlegt an- 
sehen kann, M11; Ulm steht er in keinem Zusammenhange, mit 
Augsburg nur durch seine Eltern, die aber schon frühe nach Colmar 
übersiedelten. SeinMVaterg war Goldschmied und es ist daher wahr- 
scheinlich, dass "er: selbst, ehe er Maler wurde, dies Gewerbe ge- 
lernt und dadurch eine Vorbereitung zu der nachher mit so grossem 
Erfolge geübten Kupferstecherkunst erlangt hat. {Als einen seiner 
Lehrer i1n Stechen und zwar um 1430 nennt Bernhard Jobin in der 
Vorrede zu seinen „Accuratae effigies pontiflcum maximorum" einen 
gewissen Luprecht Rüst, von dem wir sonst nichts wissen1)]. Dass 
er später in Flandern und zwar unter Roger van der Weyde d.  
studirt habe, ist nach seinenArbeiten mit grosser Sicherheit anzu- 
nehmen, aber keineswegs erwiesen, da es nur von einem späten 
und unzuverlässigen Zeugen angegeben wirdä). Von seinen Gemälden 
trägt nur eines, die Madonna im Rosenhag, die Jahreszahl und zwar 
von 1473, seine Kupferstiche sind sämmtlich ohne__Datum3). Sie 
scheinen aber wegenßilibrierlinneren Vollendung undrnach den Spuren 
ihrer Einwirkung auf Andere nicht eher als von 1460 an bekannt 
geworden zu sein. 
wurde bei lateinisch Schreibenden in Martinus Bellus übersetzt (Beatus Rhenanus 
bei Fiorillo II. 316.). Carl von Mander (F01. 203) nennt ihn Hupse Martin, ohne 
seinen Geburtsort zu kennen; Lemaire hat diesen schon zu seiner Zeit in den 
Niederlanden gebräuchlichen Namen in Hugues Martin entstellt und lasst ihn von 
Frankfurt kommen. Die Franzosen nennen ihn Beau Martin und die Italiener 
meistens Martino Tedesco, Belmartino oder auch Buonmartino, Vasari aber mit 
offenbarer Verwirrung Martino d'Anvers0, und später (in dem Zusatze der zweiten 
Ausgabe: Ueber einige flandrische Künstler, a. a. O. XIII. 148) sogar Martino 
d'0landa, dem denn auch Condivi im Leben des Michelangelo gefolgt ist. 
1) Quadt von Kinkelbach (1609) nennt ihn einen Schüler Israel's von Meckenem, 
was keiner Widerlegung bedarf; vielleicht bloss weil er bei Wimpheling diesen vor 
Martin Schön aufgezählt fand. 
2) Lambert Lombard in dem oben erwähnten Briefe an Vasari sagt von Martin 
Schön: il quale non abandono 1a maniera di Rogiero, suo maestro, und scheint 
daher ein wirkliches Lehrverhältniss zu demselben angenommen zu haben. Allein 
gleich darauf nennt er Albrecht Dürer „discep0l0 di esso Belmartino", was dieser, wie 
wir genau wissen, niemals war. Er nimmt es also augenscheinlich mit diesen Angaben 
nicht sehr genau und wird Martin Schongauers Verhaltniss zu Roger ebensogut 
wie das Dürerls zu Martin bloss aus dem Anblick ihrer Arbeiten gefolgert haben. 
a) Indess für eines seiner Blätter, den Tod der Maria, haben wir eine chrono- 
logische Bestimmung, indem der Kupferstecher Wenzel von Olmütz es im Jahr 
1481" copirte und auf dem Blatte neben seinem Namen die Jahreszahl angab.
        

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