Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175041
Martin Schongauer. 
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studirt und sich bald mit voller, unbedingter Hingebung, bald mit 
Unterscheidung und freier Benutzung angeeignet haben und so mittel- 
bar, durch Hervorrufung einer energischen Reaktion des einheimischen 
Gefühls oder unmittelbar durch ihr eigenes Eingehen auf dasselbe 
und ihr Vorbild auf Begründung neuer Schulen hinwirken. 
Eine solche neutrale Gegend war das obere Rheinthal und nament- 
lich das Elsass. Die französische Revolution hat zwar hier mit 
gründlicher Z erstörungslust unter den alten Kirchenbildern aufgeräumt 1), 
aber die wenigen Ueberreste zeigen doch, dass sich hier eine eigen- 
thümliche Schule nicht gebildet hatte. Das Bedeutendste unter den- 
selben sind die im Jahre 1824 aufgedeckten Wandgemälde eines 
Todtentanzes auf dem ehemaligen Kirchhofe der Dominikaner zu" 
Strasüiiirgffünf Gruppen und zwar nicht wie gewöhnlich immer nur 
aus zwei, sondern aus zahlreichen Figuren bestehend. Der Predigt 
des Dominikaners hören Leute aller Stände zu, und die Angriffe des 
Todes sinldmallgemeiner geschildert, indem er den Papst, Kaiser und 
Kaiserin, König und Königin und endlich den Bischof (denn nur bis 
zu diesem sind die Gemälde erhalten), alle unter ihrem Gefolge auf- 
suchtß). Die Haltung der Figuren ist gemässigt, die Falten fallen 
schlicht und gerade, und Damen und Jünglinge haben noch die feine 
schlankeTaille; neben diesen Anklängen des ldealstyles deutet aber 
die lebendige dramatische Bewegung mancher Gestalten und die stets 
wechselnde Gruppirung schon auf die zweite Hälfte des Jahrhunderts 
und die besseren der Bilder, denn sie scheinen von mehreren Händen, 
zeigen einen nicht uugeschickten Meister, aber keineswegs eine origi- 
nelle Richtung. 
Vielleicht schon um dieselbe Zeit lebte ganz in der Nähe, in 
Colnätr, ein Meister, der alle seine deutschen Zeitgenossen übertraf 
und dessen Ruf und Wirksamkeit sich über ganz Deutschland und 
selbst über seine Grenzen weit hinaus erstreckten, Martin [Schon- 
gauer. Wimpheling, ein angesehener deutscher Schriftsteller, ver- 
sichert wenige Jahre nach seinem Tode, dass seine Gemälde in alle 
Länder ausgeführt würden und die in Deutschland zurückgebliebenen 
der Gegenstand der Bewunderung und des Studiums der Künstler 
seieng); andere gleichzeitige oder nahestehende Zeugen bestätigen, 
1) In Colmar wurden sie im Jahre 1796, wie ein alter Bürger noch an v. Qua-ndt 
erzählte, auf den Markt geschleppt und verbrannt. Kunstbl. 1840, S. 325. 
2) Edel, die neue" Kirche zu Strassburg, 1825, giebt Nachricht über die Ent- 
deckung und Abbildungen. 
a) Wimpheling in seinem 1505 zuerst gedruckten Epitome rerum Germani- 
carum, Cap. 68: "Quid de Martina Schon, Columbariensi dicam, qui in hac arte
        

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