Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175022
Michael Wolgemut. 
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Ausserhalb Nürnbergs wird ihm vielleicht der Altar in der Pfarr- 
kirche des nahen Städtchens Hersbruck, in grösserer Entfernung 
aber der in der Augustiner- (Regler) Kirche zu Erfurt 1) gehören, 
beides wieder höchst "üinfassende, inSchnitzwerk und Malerei reich 
ausgestattete Werke. Auch ein ähnlicher, obgleich nicht ganz so 
ausgedehnter Altar mit Schnitzwerk und Gemälden in der Kloster- 
kirche zu l-Ieilsbronn bei Nürnberg, def von dein Markgrafen Fried- 
rich Wffvorfmlilelienzollern, dem zweiten Sohne des Kurfürsten Albrecht 
Achilles aus seiner ersten Ehe, und zwar wie die darauf befindlichen 
Portraits schliessen lassen, etwa um 1500 gestiftet istg), trägt sehr 
verwandte Züge und erregt nur dadurch Bedenken, dass er in der 
Ausführung schöner und vollendeter, in den Portraits individueller 
und lebendigefistjwals irgend eine beglaubigte Arbeit Wolgemuts. 
Es ist freilich denkbar, dass der vielbeschaftigte Meister hier ein Mal 
alle seine Kräfte angestrengt und sich selbst übertroffen hat, ebenso- 
wohl aber auch, dass ein anderer bedeutenderer Meister in Nürnberg 
gelebt habe und unbekannt geblieben sei. Eine Lösung dieser Zweifel 
ist kaum zu hoffen, aber auch für das kunsthistorische Interesse nicht 
so wichtig, wie Manche glauben. Die Nürnberger Schule zu W01- 
gemufs Zeit steht eben noch nicht auf dem Punkte, wo die Indi- 
Schluss derselben acht Bilder aus der Passion, je zwei auf einer Tafel; ganz aussen 
endlich noch vier Darstellungen aus dem Leben der hlaria. Jeder Flügel 8 Fuss 
10 Zoll hoch und 5 Fuss 2 Zoll breit, aber auch nur die inneren von der Hand 
des Meisters gemalt, die anderen roh und oberflächlich. 
1) Schorn in dem Vortrage über altdeutsche Sculptur, Erfurt 1839. Kugler, 
kl. Schr. II. 28. Die Statuen des Schreines sind verloren, die Flügel daneben 
stellen in zwölf Reliefs auf einer Seite die Kindheit Christi nebst dem Tode der 
Maria, dort Passionsmomente nebst der Auferstehung dar, die vier grossen Gemälde 
der Aussenseite aber Dornenkrönung, Geisselung, Erscheinung Christi und die 
Ausgiessung des heiligen Geistes. Die architektonische Anordnung des Ganzen ist 
reicher und geschmackvoller als bei andern Altarwerken Wolgemuvs, mit Stabwerk 
und gemalten Medaillons und Statuetten von Engeln, Propheten und Erzvätern aus- 
gestattet. Die Reliefs und Gemälde sind aber völlig in seinem Style mit einzelnen 
Zügen von Idealität, doch härtester Rohheit und Gemeinheit der Nebengestalten, 
in guter kräftiger Farbe, aber mit handwerksmässiger Zeichnung ohne feineres 
Naturgefühl. 
9) Der Schrein und die Innenseiten der Flügel enthalten in Statuen die An- 
betung der Könige und je zwei Heilige; nach dem Schlusse der inneren Flügel 
sieht man vier grosse Gemälde, die Verkündigung, Geburt, Präsentation im Tempel 
und die Krönung hlariä, nach dem der äussern aber oben die Kreuzigung und die 
Messe des heiligen Gregor und darunter knieend und anbetend die Familie des 
Stifters, des Markgrafen mit acht Söhnen und seine Gemalin mit ebenso viel jungen 
Damen, Töchtern und Schwiegertochter. Man hat es früher Dürer zugeschrieben, 
dem es gewiss nicht angehört; Waagen a. a. 0. S. 307 und neuerlich im Hand- 
buche I, S. 193 erklärt es mit Gewissheit für Wolgemutls Werk. 
        

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