Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174833
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rheinischen Schulen. 
Die 
Tendenz erkennen. Es enthält auf der Mitteltafel (Nro. 1222) die 
Kreuzigung in Verbindung mit vier begleitenden Momenten (Judas- 
kiräjmlfreuztragung, Grablegung und Descensus), auf den Flügeln 
aber in je vier Abtheilungen einerseits (Nro. 1233) die Kindheit; 
geschichte (Verkündigung, Geburt, Anbetung der Könige uiillwÜar- 
brildwgßg" im Tempel), andererseits (Nro. 1234) die Verklärung und 
die Wiederkunft Christi (Auferstehung, Himmelfahrt,  des"! 
heiligen Geistes und jüngstes Gericht). Der Maler, den derwßeif- 
liner Katalog auf Grund unsicherer Schlüsse mit dem fremd klingen- 
den Namen J arenus bezeichnet 1), scheint noch aus der älteren Schule 
hervorgegangen; seine Zeiclirnxung ist für ruhige und allgemein ge- 
haltene Gestalten zureichend und selbst anmuihig, bei stark be- 
wegten und  und steif, die Modelli- 
rung leicht und unkdrperlich, die Farbe hell und reich streift an's 
E2228. Das Landschaftliche ist unbedeutend und wenig ausgebildet, 
der Himmel  der" Seitenbilder, z. B. das 
jüngste Gericht, werrathen zum Theil noch die sparsame, mehr an- 
deutende als ausführende Weise des idealen Styls. Wo er sich in den 
Grenzen desselben hält, bei milden und zarten Gegenständen, z. B. bei 
der Verkündigung, sind seine Bilder gelungen und von schlichter An- 
muth, wo er dagegen, wie schon auf einigen Seitenbildern, z. B. der 
Himmelfahrt und der Ausgiessung des heiligen Geistes, dramatisch 
belebte Gruppen geben oder die Hergänge in moralisch-psycholdgisölie? 
Hinsicht erschöpfen will, ist die Anordnung verwirrt {Iiiarräeriiäzäich- 
nung, ja selbst die Kraft seiner vorstellendenhPliantasie unzureichend. 
Besonders gilt dies von der Haupttafel, wo er nicht nur die Kgzi- 
1)tPassavant (Kunstreise durch England und Belgien, S. 141) und Waagen 
(Kunstwerke und Künstler in England II. 284) glauben auf einem kleinen Bilde 
in der Sammlung des Grafen Pembroke in Wiltonhouse die Hand desselben Meisters 
zu erkennen und zugleich eine Inschrift seines Namens zu finden. Gegenstand des 
Bildes ist die Kreuzabnahme oder die Beweinung des- Herrn durch seine Ange- 
hörigen am Fusse des Kreuzes, und die Inschrift steht auf einem Täfelchen von 
unregelmässiger Form, welches einer der Männer in der Hand halt. Da diese 
Tafel ohne Zweifel ein Fragment der Inschrift sein soll, welche Pilatus über dem 
Haupte des Gekreuzigten anheften liess, so ist Försters Vermuthung (D-  11- 
166), dass der vermeintliche Name Jarenus nur ein Theil des Wortes Nazarenug 
sei, keineswegs unwahrscheinlich. Die bei einem deutschen Meister des 15. Jahr- 
hunderts sehr auffallende Form dieses Namens unterstützt diese Vermuthung. 
Passavant, der die Inschrift entdeckte, giebt zwar in der Monogfammentafel der 
"Knnstreise" ein Facsimile, welches wirklich Jarenus-p. (pillxit) zu lauten Scheint, 
indessen ist eine falsche Deutung des Anfangsbuchstabens dennoch sehr leicht 
möglich, so dass man den Namen für problematisch halten muss. Auch möchte 
die Identität der Urheber beider Bilder nähern Beweises bedürfen.
        

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