Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174785
Liesborner Meister verwandte 
Dem 
Gemälde. 
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Wiese durch Goldgrund ersetzt. Der Meister kennt die Natur wohl 
und weiss ihr gerecht zu werden, wie er aber schon in der Compo- 
sition Schächer und Schergen fortgelasksen und das Kreuz zwischen 
die edlenwastaaltenlhder Anhänger des Herrn gestellt hat, lässt er 
sich auch in der Ausführung auf das Gewaltsame und Dunkle, auf 
die ganze Schwerennd Mannigfaltigkeit des Körperlichen nicht ein, 
sonderümäwsichliüijnixlireise des Edlen, Einfachen, Anmuthigeii" und 
benmrure Nlatur, nur, um dadurch seine heiligen Gestalten" zu be- 
leben. Auch ist ihm dies in hohem Grade gelungen; sie haben einen 
Ausdruck von Seelenreinheit und Milde, der sie zu wahren Ilimmels- 
bürgern macht. Besonders der jugendlich aufgefasste Benedictus ist 
von wunderbarer Schönheit. Man kann sich den Werth des Meisters 
vergegenwärtigen, wenn man ihn mit FraAngelico von Fiesole vergleicht, 
dem er vielleicht (wenn wir aus diesem einen erhaltenen Bilde schliessen 
dürfen) im Reichthum kindlich dichtender Phantasie nachsteht, den er 
aber dafür in plastischer Kraft und ernster Haltung übertrifftl). 
Andere Bilder von der Hand dieses Meisters, selbst jene vier 
Altarwerke, welche der Chronist nennt, können wir nicht nachweisen, 
und ein ebenfalls aus Liesborn stammendes, jetzt getrenntes Fluge]- 
_bild trägt zwar verwandte, aber doch nicht ganz gleiche Züge. Die 
Ml JjetZt in der Sammlung des Herrn von Zurmühlen in Münster) 
enthält die Geschichte Constantins und des heiligen) Kreuzes, jedoch 
(nach einer in Westdiihalenädwiederholt voüifkoinmenden Anordnung) 
nicht in einem Gesammtbilde, sondern in zwei Reihen. In der obern 
Hälfte sehen wir Constantin, dem das reuzes erscheint; 
den Sieg über Maxentius erfechtend, in der nn___tern aber in zwei Ab- 
theilungen zuerst die Auffindung des Kreuzes, wobei der Kaiser im 
Büsserhemde erscheint, aber doch von einem Pagen in goldbro- 
1) Prof. Haindorf, ehemals in Münster, später in Hamm, besass drei Engel, zwei 
mit goldenen Kelchen und der dritte weinend, aus demselben Bilde und ausserdem 
einige Fragmente, namentlich einen der drei Könige, mit der Linken nach der 
Krone greifend und in der Rechten ein goldenes Gefäss haltend, deren Stelle 
darin zwar nicht sicher, die aber des Meisters würdig sind [jetzt bei dem Ritter- 
glltsbcsitzer Löb unweit Hammls, Haindorfs Sehwiegersohne]. Von den acht Frag- 
menten bei Krüger sind nur zwei, jetzt bei seinem Schwiegersohne, Oberst v. Franken- 
berg in Münster, der Engel mit dem Kelche und das Fragment der Geburt Christi 
[das Kind von fünf knieenden jugendlichen Engelchen angebetet], geblieben, alle 
übrigen befinden sich in London. Man kann sich kaum eines Gefühls von Bitterkeit 
erwehren, wenn man daran denkt, dass diese Ueberreste eines der bedeutendsten 
deutschen Meister in keinem unserer deutschen Museen eine Stelle gefunden haben 
[und seit einigen Jahren grösstentheils auch wieder aus der Nationalgalerie entfernt, 
wahrscheinlich in das Depot verwiesen sind]. Die Verzichtleistung auf eine "oder zwei 
sehr entbehrliche Acquisitionen hatte die Mittel dazu verschafft.
        

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