Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174770
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Die rheinischen Schulen. 
Minden, von wo dann aber der grösste und bedeutendste Theil dieser 
Fragmente endlich gar in die Nationalgallerie zu London gelangt ist. 
Das Mittelbild enthielt (wie sich aus diesen Fragmenten ergab) den 
gekreuzigt-Ä" Heiland, dessen aus Händen und Füssen fliessendes Blut 
viefsöliwwebeynde Engel in goldenen Kelchen auffingen und daneben, 
auf blumigem Grunde, je drei Heilige, Johannes mit der Scholastika 
und ihrem Bruder Benedßfüsälrslldaria mit den stets verbundenen 
Cosmas und Damianus, alles Figuren von zwei Dritteln der natür- 
lichen Grösse. Erhalten sind davon nur der Kopf des Gekreuzigten 
bis zur Brust, die Brustbiltler der beiden Nebeiigruppen" und einige 
Engel. Auf den Flügeln befanden sich jederseits vier kleinere Bilder, 
von denen die Verkündigung und die Darbringung im Tempel ganz, 
die Geburt Christi und die Anbetung der Könige theilweise erhalten 
sind. Die vier Bilder der andern Seite sind verloren, stellten aber 
höchst wahrscheinlich die Auferstehung und Himmelfahrt, die Aus- 
giessung des heiligen Geistes und das jüngste Gericht dar 2). Der Ein- 
fluss der Eyckschen Schule zeigt sich nicht bloss im Technischen der 
Oelmalerei, sondern auch in der Behandlung der Details, der Perlen 
und Etlelsteine, mit denen die Gewänder reichlich "gächmückt sind, 
des Bischofsstabes, der architektonischen Perspective  des Tempels 
bei der Darbringung und besonder-Fdesjühgfräulichen Gemaches der 
Verkündigung. Wie auf tlandrischen Bildern kniet die Jungfrau "am 
Betpulte nebegmekingrph  lnitm i'otl1en Damastvorhängen, während 
die andere Abtheilung des durch eiiäkän -Pfeiler getheilten Zimmers 
den künstlich geschnitzten Schrank mit dem leuchtenden Geräth, die 
Bank mit dem ltüliie'kissen'riifidwendlich zwei Fenstlärwifder Aus- 
sicht auf Berge und "Syee, Häuser und BäumeWenthält. AbeYNWährend 
hier der Maler der realistischen Tendenz der üandrischen Schule 
weiter selbst als die Kölner nachgeht, hält er sich übrigens ganz in 
den Grenzen des edelsten und reinsten Idealismus. Die Gewand- 
behandlung ist strenge, mit geringer Bewegung der Falten, die Zeich- 
nung zwar richtig und naturgelnäss, aber in festen Umrissen unrliit 
demhfeihsten Gefühl für die Schönheit geregelter Linienführung, die 
lllodelliiliunggenügend, aber doch zart, die Farbe leuchtendTmd nicht 
ohne Kraft, aber doch milde, der Himmel eiüilfcii über der blumigen 
1) Abbildung dieser drei Gestalten in E. Försterls Denkmalen etc. etc. Band I. 
9) Die Vermuthung gründet sich darauf, dass diese Gegenstände sich in gleicher 
Weise auf einer Reihe von westphälischen Altären finden, und namentlich auch 
auf dem Altar in Lünen an der Lippe, wo zugleich die den erhaltenen Liesborner 
Tafeln entsprechenden Darstellungen, augenscheinliche Nachahmungen, fast Copien 
derselben sind. Vgl. Becker im Kunstbl. 1843, Nro. 90 und Lübke a. a. O. S. 348.
        

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