Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174708
Gemälde zu München, 
Nürnberg, Berlin, Linz u. 
357 
stellenden Bildern, welche sich theils in der Pinakothek zu München, 
theils in der Moritzkapelle zu Nürnberg befindenl), mag eins der 
ältesten, wahrscheinlich vor dem Jahre 1463 entstandenen Werke 
dieser Richtung sein. Sie bilden eine der lieblichsten Idyllen, von 
zartem, fast weiblichem Charakter. Bei ziemlich kleinen Dimensio- 
nen (jede Tafel 2 F. 8 Z. hoch und 3 F. 5 Z. breit) schliessen sie in 
der Behandlung des Beiwerks und Schmuckes sich den niederländi- 
schen Vorbildern sehr nahe an. Bei dem Zusammentreffen des Joa- 
chim und der Anna an der goldenen Pforte ist im landschaftlichen 
Hintergründe sein Aufenthalt bei den Hirten und die Ankündigung 
durch den Engel angebracht, bei der Geburt der Jungfrau erinnert 
die häusliche Einrichtung der Wohnstube, bei ihrem Aufsteigen zum 
Tempel die zum Theil genreartige Haltung der Nebenüguren an flan- 
drische Auffassung. Dagegen ist die schlanke Körperbildung der 
Figuren, der etwas einförmige und wenig belebte Ausdruck der Köpfe, 
das bleiche Colorit, die Mässigung und man möchte sagen Schüch- 
ternheit der Bewegungen noch überwiegend im Charakter der ältern 
Kölner Schule. Von derselben Hand scheinen die Darbringung im 
Tempel, Nro 15 der Moritzkapelle, das Paradiesesbild im Berliner 
Museum, Nro. 1235, wo in Gegenwart der knieenden Familie des 
Stifters Maria im Gartenzwinger mit drei weiblichen Heiligen sitzt, 
und endlich mehrere Bilder in Kölnischen Sammlungen 1).  
Wahrscheinlich nicht von demselben, aber von einem nahe ver- 
wandten Meister sind zwei Altarwerke in der Kirche zu Linz am 
Rhein, das grössere und bedeutendere mit der Jahreszahl lldämwDie 
Mitteltafel enthält in vier Abtheilungen die GeburtwChristi, die Dar- 
stellung im Tempel, die Anbetung der Könige und die Krönung oder 
Verherrlichung der Jungfrau, die mit Christus den Thron theilt. Auf 
den Flügeln ist hier die Verkündigung, dort die Ausgiessung des 
heiligen Geistes nebst der damit in ungewöhnlicher Weise verbunde- 
nen Krönung der Jungfrau, alles auf Goldgrund und mit Figuren von 
etwa ein Drittel der Lebensgrösse dargestellt. Auf den Aussenseiten 
der Flügel sieht man links die Verkündigung (hier die Jeiirääiäim 
1) In München Kab. II., Nr. 613 if. In der Moritzkapelle Nr. 6 Geburt der 
Maria. Ganz ähnlich, aber, weil von anderer Dimension (2 Fuss 10 Zoll hoch, 
2 Fuss 5 Zoll breit), nicht zu demselben Altar- gehörig, sind zwei andere Bilder 
aus dem Leben der Maria in München (Nr. 623 und 624) und eines in der Samm- 
lung des Herrn Neven in Köln. Vgl. Katalog von 1854, Nr. 239 und Lübke im 
D. K.-B1. 1855, S. 166. 
2) Namentlich bei Clave van Bouhaben (ehemals Zanoli) und bei Dr. Dormagen 
(ehemals Dr. Kerp). Die meisten der im Texte genannten, am Rhein beündlichen 
Bilder sind von Kugler (kl. Sehr. II. 802 ff.) ausführlich beschrieben.
        

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