Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174697
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Die rheinischen Schulen. 
nach einem damals im Besitze eines reichen Kölner Bürgers beiind- 
lichen Cyklus als den „Meister der Lyversbergischen Passion" be- 
zeichnete. So lange die Zahl dieser Bilder klein war, erhielt sich 
diese Meinung; die Ausstellung im Gürzenich zu Köln v. J. 1854, 
welche die seltene, vielleicht nicht wiederkehrende Gelegenheit gab, 
viele der dort im Privatbesitz befindlichen Gemälde neben einander 
zu sehen und zu vergleichen, reichte hin, sie zu zerstören. Es zeigte 
sich neben jener Aehnlichkeit des Styls, welche dazu verleitet hatte, 
sie einem einzigen Meister zuzuschreiben, eine Fülle veggghiedener 
Eigenthünilichkeiten, welche nicht den Lebensstufen eines Einzelnen 
entsprachen, sondern einer ganzen Gmeneration von Meistern dersel- 
ben Schule und Richtung angehhßrrßqn, die nicht einmal alle in un- 
mittelbarem Lchrzusammenhange gestanden zu haben scheinen. Von 
unbedingtem Anschliessen an Eyck'sche Weise sind auch diese Meister 
weit "eiitfäiitujinihr gemeinsamer Charakter entsteht durch eine Mi- 
schung von Eigenschaften, welche sie aus der niederländischen Schule 
(vielleicht nicht einmal an Ort und Stelle) empfangen hatten, mit den 
TraditionenmderägälterenhKiilnerSchule und mit neuen Zügen, welche 
aus den Schicksalen und derStimmung der deutschen Nation hervorgin- 
gen. Der fiandrischen Schule entlehnen sie besonders Technisches, dann 
aber auch die weitere Ausbildung des Landschaftlichen und diÄNeigung 
zu naturalistischen Episoden oder zur Beifügvuhgherklärender Momente. 
Dagegen iuiteiischeideii' "siemsich von ihr in Allem, was unmittelbar 
mit dem religiiisen Gefühl zusammenhängt. Wenn die flandrische 
Schule die heiligeniuGestalten aus denrlieben nimmt und in reiche 
Landschaften oder in bequeme Häuslichkeitwersetzt, bleibt die Köl- 
nische Frömmigkeit immer kirchlich und fordert daher ein Abschlies- 
sen des Heiligen gegen die gewöhnliche Gegenwart, einen Schimmer 
des Ueberirdischen. Die Religiosität verbindet sich dort mit dem 
heitern Lebensgenuss, während sie hier einen strengeren, feierlichen 
Charakter trägt. Auf Luftperspective und Himmelswäeilewiassen die 
Kölnischen Meister sich daher nicht ein, sondern behalten den gol- 
denen oderwdoch,Veinfarbigen Hintergrund; das kindliche oder my- 
stische Wohlgefallen lanwsliiegelndem Wasser, oder gar an glänzendem 
Hausgeräth kommt noch garwnicht oder nur in sehr untergeordneter 
Weise vor, ihre Gestalten sind schlanker und idealer, die Modelli- 
rung ist wljiclger und weniger körpei Glßfwandung feierlicher; 
wenigerjlon Brüchen überladen, der Ausdruck, besonde?s"a1i'weiblichen 
Gestalten, innigelrbnliebligchqjhzarter, die Züge endlich zeugen mehr von 
ausgebildetem Schonheitssinnfals von porträtartigem Naturalismus. 
Eine Folge vdiivuqzusammengehörenden, (lasiiliöbtjinb der Maria dar-
        

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