Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174639
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deutschen Malerschulen des 
Die 
Jahrhunderts. 
Ein anderer für die Verschiedenheit beider Schulen wichtiger Um- 
stand lag in dem Verhältniss der Malerei zur Plastik. Im 14. Jahr- 
hundert und im Anfange des 15. hatte "mztntnrwren Niederlanden wie 
in Deutschland die Altarwerke auswSchnitzarbeit und Malereien zu- 
sammengesetzt. Die Eycksche" Schule löste. aber diesetGemeinschaft 
und alle Altäre ihrer namhaften Meister bestehen ausschliesslichgaus 
Gemälden. Das geschah nicht etwa wegen eines Zurückbleibens der 
bildnerischen Technik, die vielmehr neben der Malerei fortwährend 
blühte, sondern ausschliesslich im Interesse der Malerei, weil man 
fühlte, dass diese sich in Verbindungd mit "zieei-"Piäätii; nicht frei ent- 
wickeln konnte. Zwar gingen die liandrischen Meister noch keines- 
weges, _wie die spätere Malerei, bis an die äussersten Grenzen des 
Malerischen; die Figuren der Eycksenen Schule haben noch festere 
Umrisse, die Hintergründe noch kaum eine Andeutung der Luft- 
päiänmive, der Vorwuffder Iilärte und Trockenheit, den man ihren 
Bildern im vorigen Jahrhundert machte, ist darin begründet. Aber 
die feine Harmonie der Farben, der Lufttoy, das Himmelblau, der 
Wasserspiegel;selblsiTdievlAtmosphäre derwliinenräume, in weiche diese 
Malervilirewßcenen verlegeiifsinvdy "doch  mit den Gestalten schon zu 
sehr zu einem Ganzen verschmolzen, als dass eine Zusammenstellung 
derselben mit plastischen Figuren. günstig sein könnte. In Deutsch- 
land (mit Ausnahme weniger Gegenden, die sich mehr der flandrischen 
Schule anschlossen), behielt die Holzplastik nicht nur ihre Stelle, son- 
dern sie wurde noch beliebter, noch bedeutsamer, noch reichlicher 
angewendet als bisher. Hatte man sich früher. mitjiachenleliefs 
begnügt, so füllte man jetzt den Altarschrein mit mehr als lebens- 
grossen Statuen  die Flügeqlwmit tiefen. iigurenreichen Reliefs, 
so dass nur die Aussenseiten mit Gemälden geschmückt wurden. 
Diese Zusammenstellung wäre verletzend gewesen, wenn beide Künste, 
Plastik und Malerei, sich in ihrer vollen Verschiedenheit gezeigt hätten. 
Dies geschah aber nicht; die Plastik wurdewüberyvi_ege_iid in einem 
malerischen Sinne behandelt. Die Statuen nahmen nichtäir- die 
volle leuchteifde"Faflfämsondern auch die weichen Formen und den 
er-Gemälde an, und die Reliefs jwurdeiiinitqreiclier Grup- 
pirung und oft mit landschaftlichem Grunde ausgeführt, wo" dann die 
voidefäüiiigüiüäüiWsicliügaiiziäoderwfastdganzablösten und Berge und 
Gebäude sich kaum über die Fläche hoben. Auch ünden wir in allen 
Fällen, wo uns Nachrichten darüber vorliegen, dass die Bestellungen 
nicht bei zwei selbstständigen Meistern, sondern immer nur bei Einem 
gemacht wurden. An vielen Orten bildeten Maler  
nur eine Zunft, so dass derselbe Mann beide Eigenschaften verband.
        

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