Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174600
Verhältniss zu äen Niederländern. 
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war zwar ein Eigenthum des germanischen Stammes, aber dies Ge- 
fühl, das, wo es sich selbst überlassen ist, sich leicht in träumendes 
Sinnen oder inumentschlossenes Grübeln verliert, war hier vermöge 
jener mehr französischen Lebensauffassung mit Gaben verbunden, 
Welche ihm erleichterten, die künstlerische Form zu finden und sich 
in den Grenzen klarer, maassvoller, Schönheit zu halten. Das Leben 
war an sich schoirheiter und fliessend und durch die Eleganz der 
Sitte ü; gewissem Grade künstlerisch gestaltet, die gefügige Welt- 
klugheit wusste die Widersprüche zu verdecken und auszugleichen 
und kirchliche Frömmigkeit mit dem vollsten Lebensgenusse zu ver- 
einigen; die Gewohnheit rüstiger, muthiger That auf dem festen 
Boden geordneter Verhältnisse kam auchdeiidZünstlern zu Statten. 
Die Natur erschien ihnen auf diesem Standpunkte in ihrer Allge- 
meinhefi und Heiterkeit, wie in derMorgenfrische der Schöpfung, 
und dochuwiedeifiifgdei" gewohnten Erscheinung der gegenwärtigen 
Zustände, mit allem Schmuck "und allen Bequemlichkeiteii" des Luxus, 
Himmlisches und Irdisches mischten sich vor ihrem Auge und" sie be- 
gnügten sich "aiichvfüi" die heiligen Gestalten und Hergänge mit den 
Zügen, die sie im Leben wahrnahmen und mit der anständigen Ruhe, 
welche der vornehmen Sitte oder dem festtäglichen Leben ehrbarer 
Bürgerlichkeit entsprach. Höhere ldealität, tiefe moralische Charak- 
 Pathos forderten sie nicht; es kam ihnen vor- 
zugsweise auf die Harinönje desmgianzen an, welche sie durch die 
Unterordnung des Einzelnen um so sicherer erreichten. 
l-ziranessfäßä? konnten sich die Deutschen nicht entschliessen. 
Es war ihnen wohl gegeben, die Schönheit, solcher harmonischen 
Aeusserung zu empfinden, aber nicht sich selbst inden dazuwiiöthi- 
gen Grenzen zu halten. Der Sinn für Harmonie war in ihnen durch 
die Verhältnisse  ihr Auge vorzugs- 
weise auf das  gerich- 
tet. Ihre Gegenwart bot ihnen viel häufiger unerfreuliche und rohe 
oder trübe, als heitere und gleichmässige Erscheinungen undf sie 
waren gewöhnt, denlrost in idealen Vorstellungen zu suchen. Auch 
ihre künstlerischä Tradifföiämästatteten ihnen nicht, sich der 
Eycldschen Schule unbedingt anzuschliessen. Diese hatte in ihrem 
Heimathlande keine bedeutenden Leistungen höhT-zrer Kunst vorge- 
funden; am meisten ausgebildet war die leichte, mehr dem hinzu: 
als der A lienende Kunst der MEXHEhVELHuälÄ-luyei; an diese 
schlossen sie sich an, gaben ihren Altarbildern kleinere Dimensionen, 
welche die Durchführung jener Harmonie sehr erleichterten, bei 
denen aber die menschliche Gestalt in ihrer tieferen sittlichen Be-
        

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