Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174599
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deutschen Malerschulen 
Die 
des 
Jahrhunderts. 
Anschauung jener epochemachenden Werke und zu technischen Stu- 
dien nach denselben gelangte. Deutschland besass keine feinsinnigen 
Fürsten, welche die Kunst an und für sich liebten und begünstigten, 
bei denen der fremde Künstler und seine Werke Aufnahme und An- 
erkennung fanden. Während man in Italien schon zu Zeiten Johanns 
van Eyck Werke seiner Hand bewunderte, gingen die ältesten flan- 
drischen Gemälde, die wir in Deutschland nachweisen können, schon 
aus den Werkstätten Rogers und seiner Schüler hervor. Nun frei- 
lich blieb es nicht aus, dass einzelne strebsame Geselksil sich auf 
die Wagdiexungbegaben, um an Ort und Stelle die Härte Technik zu 
erlernen und um 1450, ja zum Theil selbst einige Jahre früher, finden 
wir und zwar in mehreren entlegenen Gegenden Spuren ihrer Kenntniss. 
Um  gab es einzelne Deutsche, welche sich die flandrische Weise 
so angeeignet hatten, dass man über den Ursprung"ihräwBilder 
zweifelhaft sein konnte und bald darauf war die Technik der Qel- 
malerei und ein gewisses Anschliessen an ilandrische Weiseaallgnemein 
verbreitet. Allein nun verschwindet auch jene völlige Gleichheit und 
es machen sich stylistische Eigenthümlichkeiten geltend, welche die 
deutsche Malerei im Ganzen "undabgesehen von der Verschiedenheit 
ihrer provinziellen Schulen von der filandrischen wesentlich unter- 
scheiden. Zwischen dem bewundernden Verständniss des fremden 
Werkes und dem Schaden in gleicher Weise ist eine weite Kluft; die 
einheimischen Anschaffungen, welche bei der blossen Betrachtung 
ruhen und bei den ersten Versuchen der Nachahmung sich nur schüch- 
tern äussern, machen sich demnächst unvermerkt mehr und mehr gel- 
tend und drängen sich störend in die fremde Darstellungsweise ein. 
Die Niederländer waren freilich niclithvüllig__Ere1nde, sondern 
unvermischt deutschen Stammes; aber sie waren durch ihre Geschichte 
anders geleitet wie die übrigen Deutschen. bWährend diese durch die 
widerspruchsvollen Anforderungen ihrer politischen Stellung an ein 
Leben voll harter Källlpjtgnmtllld greller Gegensätze, an scharfe Unter- 
scheiduriguwdesiäiiiftljzlnvwizntl Bösen und an derbe Aeusserungen der 
Rüge und Abwehr gewöhnt "waren, hatte bei jenen der durch die 
Fruchtbarkeit des Bodens und durch glückliche Handelsunternehmun- 
gen leicht erworbene Reichthum eine Sinnesart erzeugt, welche, auf 
ruhigen Genuss und auFÄiislientung der gegebenen Verhältnisse ge- 
rrafäfiiiehr "viel grübelte und sich in den Weltlauf fügte. Diese 
Sinnesweise erhielt dann durch die ritterliche Sitte und die Welt- 
klugheit, welche der burgundische Hof "aüsmFraiikizi-iich mitbrachte," 
eine vollendetere Ausbildung, die auch auf dieKunst Einfluss hatte. 
Die tiefste Grundlage dieser Kunst, das frommgahnende Naturgefühl,
        

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