Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174584
Dauernde Vorliebe für die Miniaturen. 
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nicht die willkürliche Vorliebe ihrer Könige und Grossen, welche sie 
mehr und mehr in Abhängigkeit von Italien brachte, sondern ihr 
eigenes Bedürfniss. Indem sie, im Gegensatze zu der ihr so nahe 
verwandten flandrischen Kunst, sich einer idealen Tendenz zuwandte, 
musste ihr natürlich die italienische Kunst als ein Vorbild erscheinen, 
dem sie immer weiter nachstrebte. Foucquet hatte noch seine ita- 
lienischen Studien benutzen können, ohne dem einheimischen Ge- 
schmack untreu zu werden. Seinen Nachfolgern wollte dies nicht 
gelingen; ihre Idealitat, die den Charakter des Graziösen und Vor- 
nehmen festhielt, genügte höchstens in der Miniatur oder im schlichten 
Porträt. Die italienische Kunst aber gewährte in voller Ausbildung 
das, was die französische erst erstrebte und nur durch mühsame 
Vorübungen erlangen konnte. Eskwar daher begreiflich, dass die Gönner 
der Kunst Italiener ins Land riefen und die strebenden Künstler sich 
diesen immer mehr anschlossen. Erst nachdem er die italienische 
Schule durchgemacht hatte und im Anschluss an dieselbe fand der 
französische Genius durch Simon Vouet und Nicolas Poussin die 
Mittel zu eigenthümlichem Ausdruck. 
Zweites 
Kapitel. 
deutschen 
Die 
Jahrhunderts. 
Malerschulen des 15. 
Der Ruf der ßgglrfselgen Schule verbreitete sich mit bisher un- 
erhörter Schnelligkeit über das ganze Abendland und erweckte überall 
den Wunsch des Besitzes und der Nachahmung ihrer Werke. Ein 
Austausch und eine gewisse Gemeinsamkeit der Kunstübung aller 
abendländischen Gegenden hatte schon bisher stattgefunden, aber 
noch nie ein so ausgesprochenes Begehren, eine so allgevmejnegjer- 
herrlichung eines Künstlernamens. Auch darin zeigt sich der An- 
bruch einer neuen Aera. Es versteht sich, dass das benachbarte 
Deutschland von diesem allgemeinen Streben keine Ausnahme machte, 
und wir dürfen annehmen, dass schon das blosse Gerücht, die Enge- 
liche {Sghildernngwder in Flandern erreichten höheren Belebung und 
Naturwahrheitnauf unsere Meister einwirkte und sie zu den natura- 
listisehenldßusvtrebungen anspornte, welche den frühesten Werken-der 
Brüder van Eyck fast unmittelbar folgten. Aber nun veriioss eine 
längere Zeit, ehe man nach dieser unbestimmten Anregung zu näherer
        

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