Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174569
der französischen! Schule. 
Bedeutung 
E543 
zum Vorschein gekommen sein. Mehr als Kriege und Revolutionen 
könnte die Neuerungssncht der späteren Jahrhunderte und der Dünkel 
geschadet haben, welcher die schlichten Werke der Vorzeit verachtete 1). 
Aber auch dies möchte schwerlich so massenhaft und gründlich ge- 
wirkt haben. Jedenfalls müssen also zu der kriegerischen Zerstörung 
andere Ursachen hinzugekommen sein. Man hat in Frankreich selbst 
die Unwahrscheinlichkeit der gewaltigen Zerstörung durch die Kriege 
eingesehen und die Vermuthung aufgestellt, dass die damalige Schule 
nicht so viel, wie es in Deutschland und in Italien geschehen, auf 
Holz, sondern mehr auf Leinwand gemalt und dies den Untergang 
der alten Bilder befördert habe2). Allein die Thatsache selbst ist 
nicht erwiesen; wenn man auch in einzelnen Fallen, wie Foucquet 
bei dem Bildniss Eugen's IV. in Rom, auf Leinwand malteg), so wur- 
den denn doch auch oft, wie z. B. die dem König Rene zugeschriebenen 
Bilder und selbst manche Porträts der Olouet, auf Holz gemalt und 
endlich ist nicht zuzugeben, dass Bilder auf Leinwand viel vergang- 
licher seien, wie die auf Holz. Schon der Umstand, dass Teppiche 
des 15. oder 16. Jahrhunderts in den französischen Kirchen noch 
ziemlich häufig erhalten sind, steht dieser Annahme entgegen. Eher 
wird man den Grund für die Seltenheit der Gemälde darin suchen 
dürfen, dass die Tafehnalerei überhaupt weniger als in anderen Län- 
dern geübt und dass ihre Werke selten so ausgezeichnet gewesen, 
um sich Freunde und Beschützer zu erwerben. Diese Annahme findet 
auch ihre Bestätigung in den ermittelten Thatsachen. Zu erfolg- 
reicher Kunstübung gehört eine gläubige, zweifelsfreie Hingebung an 
eine bestimmte Weltanschauung und zwar an diejenige, welche der 
augenblicklichen Entwickelungsstufe des menschlichen Geistes ent- 
spricht. Die Niederländer hatten das Richtige getroffen; die fromme 
kirchliche Demuth des Mittelalters und die innige, ahnungsvolle Liebe 
zur objectiven unbewussten Natur waren bei ihnen zu einem ge- 
diegenen Ganzen verschmolzen und befähigten sie zu vollkommen 
harmonischen Kunstleistungen. Die französische Kunst, bis dahin 
der niederländischen so nahe stehend, konnte ihr auf diesem Wege 
1) Ein paar Beispiele der Zerstörung mittelalterlicher Denkmale durch den 
Leichtsinn und die Bequemlichkeitsliebe der Domherren des 18. Jahrhunderts aus 
Nantes und Paris giebt de Guilhermy in den Annales archeologiques, Vol. II. 
p. so, 91.    
2) Bulletin du comlte historique, Vol. II, p. 1-32. 
ß) In einem an die Kirche St. Ouen in Rouen anstossenden Raume hat man 
Gemälde auf Leinwand aus dem 13. Jahrhundert entdeckt, welche zur Bekleidung 
der Wand verwendet waren. Annales archeologiques II, p. 322.
        

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