Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174472
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Französische Malerei 
des 
Jahrhunderts. 
gessen wurde und dass man bei diesem Namen nur an einen Künst- 
ler dachte, an Francois Clouet. Dazu kam dann, dass dieser, wie schon 
der König Franz in jener Urkunde andeutet, Schüler und Nachahmer 
seines Vaters war, dass also ihre Bilder eine gewisse Verwandtschaft 
zeigten, welche späteren Geschlechtern, die einer andern Kunstrich- 
tung huldigten, genügte, sie derselben Hand zuzuschreiben. 
In der That haben die ziemlich zahlreichen Bildnisse, welche in 
den Sammlungen nach mehr oder weniger beglaubigter Tradition 
oder nach der Vermuthung der Kunstfreunde den Namen J anet führen, 
eine gewisse Familienähnlichkeit, welche sie von anderen unterscheidet. 
Sie zeigen die dargestellten Personen in ruhiger, schlichter Haltung, 
"weit entfernt von dem dreisten, theatralischen Auftreten, welches in 
der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts beliebt wurde und in mil- 
den, harmonischen Farben, bei denen eine lichte Haltung, der "Silber- 
ton", Vorherrscht. Die Umrisse sind zwar nicht hart, aber sehr be- 
stimmt gezeichnet, die Details mit fast miniaturartiger Feinheit, Bart 
und Haupthaar mit einzelnen Strichen, Schmucksachen, Stickereien 
u. dgl. so sorgfältig und vollständig ausgeführt, als ob es gelte, Vor- 
bilder für solche Arbeiten zu geben. Dabei aber macht die Erschei- 
nung des Ganzen durchaus einen innigen, ruhigen Eindruck, der be- 
sonders darauf beruht, dass die Gestalt von dem einfarbigen Hinter- 
grunde und durch den demselben gegebenen Ton sich leicht und be- 
stimmt abhebt und dass ihre Modellirung nur durch die Steigerung 
der Localfarben, nicht durch graue Schatten, bewirkt ist, genügend, 
Vialleville spricht von Medaillen, auf welchen die Bildnisse des Königs und der 
Königin so lebendig dargestellt seien, dass es der geschickteste "Maler mit dem 
Pinsel nicht besser machen können, wie dies selbst Janet, der vortreiflichste Arbeiter 
dieser Zeit, anerkannt habe. Ronsard, indem er in einem Gedichte die Reize seiner 
Geliebten schildern will, üngirt, dass er dem Janet (mon Jianet, wie er ihn vertrau- 
lich anredet) den Auftrag gebe, sie zu malen und ihn auf ihre Eigenthümlichkeit 
aufmerksam mache. In einem andern Gedichte spricht er davon, dass ihr Bild 
seinem Herzen unverganglich eingeprägt sei und mit ihm auch im künftigen Leben 
bestehen werde, wenn Janeüs Kunstwerk untergegangen sei. Janet ist also der 
Portratmaler schlechthin. Der gelehrte Muret, der RonsarcPs Dichtungen com- 
mentirte, bemerkt bei diesem Gedichte, dass Janet, der Maler des Königs, ohne Wider- 
spruch als der Erste seines Faches anerkannt sei, bei jenem aber noch bestimmter, 
dass Janet in der Kunst treuer, lebensvoller Bildnisse alle Kunstgenossen seiner Zeit 
übertroifen habe. Ronsard prie en ceste elegie Janet, peintre tres exeellellt (qui 
pour representer vivement la nature a passe tous ceux de nostre aage a son art) de 
pourtraire les beautez de s'amie dans un tableau. De Laborde,_ Renaissance p. 97, 
115. Auch Clement Marot nennt in seiner an den König gerichteten Epistel von 
1541 den Namen Janet (le bien Janet), otlenbar nur als den eines ausgezeichneten 
Malers, neben Michelangelo. De Laborde, Additions p. 581.
        

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