Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174462
Jehan Clouet, genannt Janet. 
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erkenntl), zugleich aber auf dies ihm angefallene Recht zu Gunsten 
des Sohnes von Jean Clouet, des Francois Clouet, verzichtet. Wir 
dürfen daher von Jean Clouet nach dem Klange seines Namens ver- 
llluthen, dass er, wie die meisten damals in Frankreich arbeitenden 
fremden Maler, ein Niederländer war. Ueber die Richtung seiner 
Kunst enthalten die Rechnungen nur insofern eine Andeutung, als er 
darin ausser seinem Gehalte wiederholt mit Zahlungen für nach dem 
Leben (au vif) gemalte Porträts aufgeführt ist, was dann die Ver- 
muthung ergiebt, dass Bildnissmalerei seine vorzüglichste Gabe ge- 
wesen. König Franz war von seinen Leistungen befriedigt; er rühmt 
in jener erwähnten, nach seinem Tode und zu Gunsten seines Sohnes 
ausgestellten Urkunde die guten und angenehmen Dienste, welche er 
ihm während seines Lebens mit seiner Kunst, in der er sehr erfahren 
gewesen, geleistet habe und empfiehlt ihn seinem Sohne zum Vorbilde, 
das er bereits recht gut nachgeahmt habe und ferner nachahmen möge 2). 
Diese Verdienste wurden indessen bald vergessen und der Ruhm eben 
dieses Sohnes verdunkelte den des Vaters so sehr, dass selbst die 
Existenz desselben erst durch die neueren archivalischen Forschungen 
wieder erwiesen ist. Dieser Sohn, der gleich nach dem Tode des Vaters 
in dessen Stelle als Hofmaler einrückte und dieselbe dreissig Jahre lang 
(1541-1571) inne hatte, hiess zwar Frangois Clouet, wurde aber im 
Leben nicht leicht mit diesem seinem eigentlichen in den Urkunden 
vorkommenden Namen, sondern mit dem Beinamen seines Vaters, als 
J an et, bezeichnet. Er hatte das Glück, viel mehr bewundert und ge- 
nannt zu werden als dieser, was er theils seinem Verdienste, theils 
aber auch dem Umstande verdankte, dass sein Leben in eine Zeit fiel, 
wo die Kunst und die Künstler mehr beachtet wurden. Ronsard und 
andere Dichter feierten ihn und die Memoirenschreiber erwähnten 
seiner als des bedeutendsten Mannes seines Faches. Aber alles dieses 
nicht unter seinem wirklichen Namen Frangois Clouet, sondern unter 
dem von Janetß). Kein Wunder daher, dass der wahre Janet ver- 
1)   que le dict deifunct (M8 Jehannet Olouet) estoit estranger et non natif 
ne originaire de nostre royaume    Vgl. die Urkunde bei de Laborde, Renaissance 
Additions p. 571. 
9)  voullans recognoistre envers notre eher et bien ame painctre et varlet 
de chambre ordinaire Frangois Clouet, les bons et agreables Services que feu 
Mß Jehannet Clouet, son pere, aussi en son vivant nostre painctre nous a durant 
son vivant faicts en son djct estat et art, auquel il estoit tres expert et en quoy 
son dict {ils Pa ja tres bien imyte et esperons qu'il fera et continuera encores de 
bien en mieu y apräS-H 
ß) Es ist bemerkenswerth, dass alle diese poetischen und prosaischen Erwäh- 
nungen des Franqois Clouet als Janet ihn als Portratmaler denken. Der Marschall
        

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