Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174459
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Französische Malerei des 
Jahrhunderts. 
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da Lemaire im Briefe davon spricht, dass der Maler nach seiner 
Rückkehr ihm die Bilder zusenden werde 1). Werke, die man diesem 
Meister zuschreiben könnte, sind nicht ermittelt, und wir haben nach 
allem Diesem, trotz der Gunst, die er genoss, keinen Grund, zu ver- 
muthen, dass er der französischen Kunst eine neue Richtung gegeben. 
Der zweite französische Name, den Lemaire nennt, der des 
Jehan Hay, erscheint uns nur durch seine Orthographie neu und 
fremdartig; man kann kaum zweifeln, dass, wie die französischen 
Forscher jetzt fast ohne Ausnahme vermuthen, darunter der Maler 
J ehan Clouet gemeint ist, der mindestens seit dem Jahre 1518 bis 
zu seinem um 1540 erfolgten Tode als varlet de chambre und Maler 
im Dienste Franz I. stand 1). Er wurde nämlich im Leben gewöhnlich 
mit einer von seinem Vornamen abgeleiteten Form J anet oder 
J ehannet genannt und der Klang dieses Namens (der selbst in den 
Rechnungen zuweilen vorkommt) konnte Lemaire zu jener Schreibart 
Jehan Hay bestimmen. Ob er, wie man vermuthet hat, ein Sohn des 
Malers Jean oder Janne Cloet zu Brüssel gewesen, der zufolge der 
Rechnungen des Herzogs von Burgund im Jahre 1475 für denselben 
arbeitete, kann dahingestellt bleibenß). Jedenfalls war aber unser 
Jean Clouet, genannt Jehannet, obgleich er in Paris lebte und starb, 
kein geborener Franzose, sondern ein Ausländer. Sein Nachlass war 
nach französischem Gesetze dem Könige verfallen, der zwar in einer 
uns erhaltenen Urkunde vom November 1541 diese Thatsachen an- 
1) In der Couronne margaretique erwähnt Lemaire des Jean Perreal nicht. 
De Laborde legt dies als einen Beweis des Eigennutzes aus, weil Perreal da- 
mals verstorben gewesen und dem Dichter nicht mehr mit seinem Einüusse nützen 
können. Allein dies ist ein Irrthum. Das Jahr des Druckes (1549) ist nicht ent- 
scheidend; damals war allerdings Perreal, aber auch Lemaire schon verstorben, 
ein Dritter besorgte den Druck (Pinchart a. a. O. p. CCXXI). Die Entstehungs- 
zeit des Gedichts ist zwar nicht genau bekannt, fallt aber jedenfalls, da dasselbe 
sich auf die Statthalterin der Niederlande bezieht, in die Zeit, wo Lemaire sich 
im Dienste derselben befand, also vor 1511 und in die Lebenszeit PerreaPs, mög- 
licherweise aber früher als seine Bekanntschaft, mit diesem (1509), was dann die 
Nichterwahnung sehr einfach erklären würde. 
2) De Laborde, Renaissance Vol. I. p. 13 M. Archives de Part frangais. III. 
p. 290. 
8) Die Behauptung von de Laborde (Renaissance I. p. 10), dass dieser Jan Cloet 
von Brüssel etwa um 1480 nach Tours verzogen und sein Sohn, eben dieser Jehannet 
dort geboren sei, hatte für ihn das Interesse, diesen zu einem Franzosen zu machen. 
Dies Letzte ist durch jene Urkunde vom November 1541 widerlegt und der Um- 
zug jenes ersten Cloet, wenn auch seine Paternität feststünde, nun ziemlich gleich- 
gültig. Zu Folge der städtischen Rechnung von Brüssel befand sich übrigens Jan 
Cloet noch im Jahre 1499 daselbst. Pinchart a. a. 0. p. COLI.
        

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