Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174384
Andere Tafelgemälde. 
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Wesentlichen also dieselbe Abweichung von dem fiandrischen Style, 
welche wir schon an den Miniaturen wahrnehmen 1). Indessen ist diese 
Eigenthümlichkeit hier nicht so stetig wiederkehrend, wie bei den 
Miniaturen und jedenfalls die Seltenheit sowohl von Wand- als von 
Tafelgemälden e) ein auffallender Umstand, auf den wir weiter unten 
1) So namentlich einige Gemälde, anscheinend von 1460-1470, aus der Lebens- 
geschichte Christi im Museum zu Lyon. Waagen im D. K.-Bl. 1856 S. 377 
v. Quandt, Reise in das mittägige Frankreich, S. 98. S0 ferner einige Bilder iii 
St. Etienne zu Beauvais, welche aber schon dem Anfange des 16. Jahrhunderts 
angehören. 
2) Tafelgemälde sind von der höchsten Seltenheit. Im Museum des Hotels 
Cluny zu Paris ist ein Flügelbild, die Krönung Ludwig's XII. im Dome zu Rheims 
(1498) darstellend; es ist kräftiger in der Farbe, aber steif und mangelhaft in der 
Zeichnung. In der Kapelle des Schlosses Pagny (Cöte d'or) befindet sich ein Altar, 
welcher die Hauptmomente aus dem Leben der Jungfrau und Christi theils in Ma- 
lerei theils in Schnitzwerk, anscheinend vom Ende des 15. oder Anfange des 
1G. Jahrhunderts enthält (Bulletin du comite historique Vol. HI. p. 233). In der 
Kirche S. Maximin (Var) ist ein grosses Altarwerk in Holz erhalten, das nach der 
darauf befindlichen Inschrift im Jahre 1520 gestiftet wurde. Die Gemälde, in der 
Mitte die Kreuzigung, ringsumher in 16 llfedaillons die Passionsgeschichte, in der 
Predella die Grablegung, werden als mangelhafter Zeichnung, aber glänzenden 
Colorits geschildert. Die Hintergründe der Scenen aus der Passion geben oft ita- 
lienische Localitäten, venetianische Strassen, mehrere Male das Colosseum (Bulletin 
IV. p, 431-442). Häufiger sind Wandgemälde. So in der Krypta der Kathedrale 
von Verdun eine ganze Reihenfolge, wie man vermuthet schon der ersten Hälfte 
des '15. Jahrhunderts angehörig (daselbst IV. 512). In der Kapelle zu Selles-Saint- 
Denis (Dep. Loir et Cher) 34 Gemälde, anscheinend aus der Legende des heiligen 
Nicolaus (daselbst II. 68). In der Kirche zu Aubasine (Correze) ein Votivbild, die 
Jungfrau mit der Leiche Christi und vor ihr ein Anbetender, der Inschrift zufolge 
vom Jahre 1466 (daselbst III. 344). Nach dem Bericht eines Ungenannten im Organ 
für christliche Kunst, Band XII. (1862), p. 17, sind in der Kirche St. Etienne du 
Mont zu Paris zwölf Wandgemälde, Scenen aus der Legende der zehntausend Kreuz- 
fahrer am Berge Ararat darstellend, entdeckt, welche dem iiandrischen Style aus 
der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entsprechen. Einer der bedeutendsten 
Ueberreste altfranzösischer Malerei scheint das Wandgemälde eines an die Kathe- 
drale von Puy anstossenden, jetzt als Sakristei benutzten Saales, welches im J. 1850 
von der Tünche befreit und in den Annales archeol. V01. X. p. 287, von Merimee 
ausführlich beschrieben ist. Es enthält vier der sieben freien Künste, die Gram- 
matik, Logik, Rhetorik mund Musik, alle als weibliche, reichgekleidete Gestalten, 
auf Sesseln thronend, eien Formen theils der spätesten Gothik, theils schon der 
Renaissance angehören, Jede begleitet von einem Manne, der sich in ihrem Dienste 
ausgezeichnet, die (ilrammatik von Briscian, die Logik von Aristoteles, die Rhetorik 
YiILCICEÄO, die Mlusiik von ffubalkzgini. AÄich die äucläsäsagää iiller älarauf befindlichen 
a einisc en Insc ri ten weisen au en n ang es . r un erts hin. Die G  
stalten zeigen keinen italienischen Einfluss, sondern das französische Bestrebqfn 
nach einer schon etwas manierirten Grazie.
        

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