Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174365
Angebliche Gemälde König Renäs. 
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ist das bedeutendste ein Flügelbild mit fast lebensgrossen Figuren, 
früher in der Carmeliterkirche, jetzt in der Kathedrale zu Aixl). 
Der Gegenstand der Mitteltafel ist der brennende Busch des Moses, 
ein bekanntes Symbol der Jungfrau Maria, hier überdies noch durch 
ausdrückliche Beischrift als solches erklärt. Der von kleinen Flammen 
umgebene Busch (weisser Rosen) steht in der Mitte auf einem Hügel 
und trägt statt des alttestanientarischen Jehova die sitzende Gestalt 
der Jungfrau, welche auf ihrem Schoosse das nackte Christkind 
hält. Im Vordergrunde sieht man Moses bei seiner Schafheerde, der 
sein Auge vor dem Glanze des feurigen Busches mit der Hand schützt 
und zugleich, der Aufforderung des vor ihm stehenden Engels ent- 
sprechend, seine Schuhe auszieht. Dies Bild-ist dann von einer Art 
gothischen Portals mit iiachem Bogen umgeben, das, mit Baldachinen 
versehen, in den Goldgrund mit leichten Tönen gezeichnet, gewisse 
auf die Jungfrau bezügliche Gestalten enthält. Darüber ein gerades 
Gesims, in dessen Kehle Gott Vater segnend und von Engeln begleitet 
angebracht ist. Auf den beiden Flügeln sind der König Reue, schon 
greisenhaft, und seine zweite Gemahlin J ohanna von Laval, mit der er 
sich 1454 vermählte, dargestellt, beide knieend und von je drei Schutz- 
heiligen begleitet. Auf den Aussenseiten die Verkündigung, beide 
Gestalten grau in grau und in sehr ruhiger, statuarischer Haltung. 
Das Bild ist in einem bräunlich tiefen Tone und entschieden in flan- 
drischer Technik ausgeführt; man kann daher, zumal der König auf 
dem Bilde selbst schon bejahrt, etwa sechzigjährig, erscheint, wohl 
daran denken, dass es mehr von einem geschickten ilandrischen Ge- 
hülfen als von ihm selbst ausgeführt sei. Eine ausreichende Ueber- 
einstimmung mit einem der uns bekannten grösseren Meister ist in- 
dessen nicht zu entdecken. 
Nicht minder interessant ist das ebenfalls diesem königlichen 
Dilettanten zugeschriebene, jetzt in dem Anmeldezimmer des Hospitals 
zu Villeneuve bei Avignon aufgestellte Altarblatt (5 Fuss 6 Zoll Höhe 
bei 7 Fuss Breite). Die Darstellung ist sehr figurenreich und com- 
plicirt. Die' obere, grössere Hälfte des Bildes zeigt nämlich die Krö- 
nung der Jungfrau durch die Dreieinigkeit in Gegenwart der l1imm- 
lischen Schaaren. Die untere Hälfte enthält in sehr kleiner Dimension 
theils irdische, theils unterirdische Vorgänge. Man sieht zunächst die 
Erde und das Meer; ein paar Städte, in denen die Menschen Ge- 
1) Abbildungen bei Agincourt, Peinture, tab. 166, bei Alex. Lenoir, Monuments 
und in dem ebenerwähnten Werke von Hawke. [VgL auch A. Lecoy de 1a Marche: 
Le roi Renä, sa vie etc., 2 vols. Paris 1875.] . 
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