Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174351
322 
Malerei 
Französische 
des 
Jahrhunderts. 
15 
malte und zwar in flandrischer Weise, die er während seiner Gefangen- 
schaft in Dijon kennen gelernt haben mochte. Der neapolitanische 
Gelehrte Summonzio, der von dem venetianischen Edelmann Marc- 
antonio Micchele um Nachrichten über neapolitanische Künstler, 
namentlich auch über Colantonio del Fiore angegangen war, erzählt, 
in einem uns erhaltenen Antwortschreiben vom 20. März 1524, dass 
dieser Künstler geneigt gewesen sei, sich nach {Flandern zu begeben, 
um die dortige Malweise zu studieren, dass aber König Reue ihn zu- 
rückgehalten, indem er ihm die Farbenmischung und die Behandlungs- 
weise jener Schule gelehrt habe. Er bemerkt dabei ausdrücklich, 
dass der König mit eigener Hand gut gemalt habe und zu dieser 
Arbeit sehr geneigt gewesen sei, jedoch nach flandrischer Weisel). 
Es ist zwar auffallend, dass Rene während dieses kurzen Aufenthaltes 
in Neapel unter beständigen Fehden mit seinem in Gaeta residiren- 
den Gegner Lust und Musse zu so friedlichen Beschäftigungen ge- 
funden; indessen ist es bei seiner phantastischen Weise und bei der 
oft matten Kriegsführung beider Theile wohl möglich und Summonzio 
ein wenn_ auch nicht unmittelbarer, doch zu nahestehender Zeuge, um 
ihm jeden Glauben abzusprechen. Auch wird sein Zeugniss durch einen 
Brief König Rene's selbst unterstützt, der an einen lilaistre Jehanot 
le Flament gerichtet ist, und in welchem er denselben auffordert, ihm 
an Stelle der beiden ihm zugesendeten Maler-Gesellen (compagnons- 
peintres), welche sich ungeschickt gezeigt, andere, bessere zu senden 2). 
Der Brief enthält zwar leider weder die Jahreszahl noch den Ort 
der Absendung und der Adresse, und die Bezeichnung des Adressaten 
als: Le Flament, lässt nicht annehmen, dass er in Flandern wohnte. 
Aber er beweist doch, dass Rene sich mit der Anfertigung von Ge- 
mälden, wenn auch vielleicht nur dilettantisch, jedenfalls eifrig be- 
schäftigte, denn er schliesst seinen Brief mit der Aufforderung zur Eile, 
da er für jene Gehülfen viel zu thun habe (dont en ai bien a faire). 
Unter den ihm nach alter Tradition zugeschriebenen Gemäldens) 
1) Vgl. den Brief bei Puccini, Memorie di Antonello degli Antoni, {aittore 
Messinese, Fir. 1809, und danach bei Vasari a. a. O. V01. IV. p. 95 und bei Lanzi 
(Pisa 1815) II. 290. 
9) S. diesen Brief in den Archives de Part frangais, Documents t. V. p. 213, 
und danach bei Pinchart zu Orowe u. Cavalcaselle p. CLX. abgedruckt. (Vgl. 
Mathieu, Histoire de Louis XI, p. 503 und Russi, Histoire de Marseille, Theil 1, 
p. 269, die beide den König Rene als Maler bezeichnen.] 
3) Vgl. Passavant im Kunstblatt 1843 N0. 57. Umrisse nach sämmtlichen dem 
König Reue zugeschriebenen Bildern, freilich sehr unzuverlässige, sind von M. Hawke 
mit Text des Grafen Quatrebarbes zu Angers 1845 herausgegeben. S. d. Anzeige 
im Kunstblatt, 1846, S. 155.
        

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