Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174340
König Renä von Anjou. 
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nalen Charakter und der überlieferten Sitte zusammenhängenden Vor- 
tragsweise noch nicht trennen, bei Darstellungen aus der römischen 
Geschichte schloss man sich leicht an die wiederbelebte Antike an. 
Allmälig näherte sich dieser Kunstzweig seinem Erlöschen. Schon 
in der zweiten Hälfte der Regierung Franz I., als die italienischen 
Künstler den Ton angaben und die Ausstattung der Schlösser mit 
Wand- und Deckengemälden ehrenvollere und lohnendere Aufgaben 
bot, trat eine bedeutende Verminderung der Miniaturen ein. Die 
talentvolleren Künstler wandten sich nun durchweg der Malerei grossen 
Styls zu und überliessen die kleinlichere Arbeit schwächeren Händen. 
Dies hatte dann wieder die Folge, dass diese sonst so beliebte Gattung 
weniger begehrt, und durch gedruckte, mit Kupferstichen versehene 
Bücher ersetzt wurde. Freilich kam es dann auch wohl später noch 
vor, dass grosse Herren sich diesen früher so hoch geschätzten Luxus 
verschaffen wollten und Künstler suchten und fanden, die sich der 
ungewohnten Arbeit unterzogen. Allein das waren dann Ausnahmen 
ohne allgemeinere Wirkung und Bedeutung. 
Während uns für die Geschichte der Miniaturen ein reiches Ma- 
terial zu Gebote stand, haben wir für die der höheren Malerei den 
hlangel an Denkmälern und selbst an charakteristischen Nachrichten 
Zu beklagen 1). Wahrscheinlich hatte hier die iiandrische Schule, 
wenigstens anfangs, um die Mitte und im dritten Viertel des fünf- 
zehnten Jahrhunderts einen stärkeren Einfluss, als auf die Miniatur- 
malerei. Dafür sprechen wenigstens die Gemälde, welche man mit 
grösserem oder geringerem Rechte dem bekannten König Rene von 
Anjou (geb. 1408, T 1480) zuschreibt. Zuerst Herzog von Bar und 
Lothringen und als solcher von 1431 bis 1438 als Gefangener Philipps 
Mdes Guten in Dijon lebend, erbte er von seinem Bruder Ludwig (1- 1434) 
die Ansprüche an die Krone von Neapel, begab sich daher sogleich 
nach seiner Befreiung in sein neues Königreich, kämpfte hier _einige 
Jahre mit Muth und zum Theil mit Erfolg gegen seinen Gegner, 
Alfons von Arragonien, war dann aber 1442 zur Flucht genöthigt 
und lebte nun, da. ihm die Mittel zur Durchführung seiner königlichen 
Ansprüche fehlten, ruhig in der Provence, wo er sich seinem Hange 
für Poesie und Kunst ungestört hingeben konnte. Es ist, wenn auch 
nicht vollständig erwiesen, doch ziemlich wahrscheinlich, dass er selbst 
1) In der Kathedrale zu Albi ein merkwürdiges Wandgemälde des jüngsten 
Gerichts vom Anfang des 15. Jahrhunderts, Stiftung des Cardinals Jofredi. 
Schnaasäs Kunstgesch. VIII- 21
        

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