Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174324
Miniaturen des 
Jahrhunderts. 
319 
Blüthe der Buchdruckerei, des Holzschnittes und Kupferstiches. Eine 
Zeit lang schienen sich diese Elemente zu verbinden und jenem fran- 
zösischen Miniaturenstyle untßfluordnßn- Antoine Verard, Bucl1- 
drucker, Holzschneider und Kupferstecher und zugleich von 1485 bis 
1512 einer der thätigsten Verleger von Paris, veranstaltete mehr als 
25 Ausgaben von Gebetbüchern, welche, obgleich gedruckt, Bilder, 
zum Theil zwar nur colorirte Holzschnitte oder Stiche, zum Theil 
aber auch wirkliche Miniaturen enthielten 1). Ja, es scheint, dass er 
selbst Miniaturmaler wari). Jedenfalls gehörte aber die Miniatur- 
malerei noch lange zu dem Luxus der Grossen und des Hofes. Franz I. 
hatte unter seinen Varlets de chambre auch einen Robinet Testart, 
der ausdrücklich als enlumineur bezeichnet ist und mithin nur Minia- 
turen malte; Barthelemy Guetty, der spätere Hofmaler desselben 
Königs, erhält 1533 eine Zahlung für ein Paar Gebetbücher mit 
mehreren Historien3), und Marcial Gallant, wiederum nur als „illu- 
myneur" bezeichnet, wird sogar noch 1556 unter Heinrich II. für 
das Ausmalen von Gebetbüchern bezah1t4). Seit dem Anfange der 
Regierung Franz I., nachdem Leonardo da Vinci und Andrea del 
Sarto in Frankreich gewesen waren und die Neigung für italienische 
Kunst immer allgemeiner wurde, machte sich der Einfluss derselben 
auch auf die Miniaturmalerei geltend. Wir besitzen ein eigenthüm- 
liches Werk, eine Art Commentar zu Cäsars gallischem Kriege, von 
einem unbekannten Verfasser, aber ohne Zweifel für Franz I. und 
zwar, wie die in den Miniaturen wiederholt vorkommende Jahreszahl 
1519 ergiebt, im Anfange seiner Regierung verfasst. Es besteht aus 
drei Octavbänden, die aber von einander getrennt sind, indem sich 
der eine Band im britischen Museum, der zweite in der grossen 
Bibliothek zu Paris (Nr. 13,429  der dritte endlich im Besitze des 
Herzogs von Aumale befindet. Jeder Band beginnt mit der Fiction, 
1) Passavant: Peintre graveur I. 161. 
2) Der Rechnungsauszug von 1496, welchen de Laborde: Renaissance p. 275 
publicirt, ergiebt, dass er eine bedeutende Zahlung für verschiedene Bücher (einen 
Tristan, einen Boethius und ein Gebetbuch) erhielt, bei welcher das Pergament, 
die Malereien und Verzierungen, der Einband und endlich seine Reisen besonders 
berechnet werden. Dass er jene Historien selbst gemalt, ist aber darin keines- 
wegs ausgedrückt; es ist Sehr denkbar, dass er dabei bloss als Unternehmer ge- 
handelt. 
3) De Laborde a. a. O. p. 196 u. 750: „pour une paire (Pheures historiees de 
plusieurs histoires, faites de bonne couleur. 
4) De Laborde a. a. O. p. 305. Ein für Heinrich II. ausgeführtes Gebetbuch, 
früher in der grossen Bibliothek von Paris Nr. 1409 fonds latin, jetzt im hluseum 
des Louvre.
        

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