Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174317
318 
des 
Französische Malerei 
Jahrhunderts. 
metrisch gestellten Blättern, zum Theil sind sie freier und lebendiger. 
Aber die Genauigkeit der Nachbildung und die Pracht der Farben 
sind unvergleichlich und machen das Buch zu einem Gegenstande der 
Bewunderung aller Beschauer. Nach unseren Begriffen kann diese 
Farbenpracht in einem Gebetbuche bedenklich erscheinen, aber jeden- 
falls war es in dieser Ausführung ein königlicher Luxus. Den Namen 
des Malers, der dieses Prachtwerk lieferte, keimen wir nicht. Zwar 
finden wir in den Rechnungen des königlichen Haushaltes, dass im 
Jahre 1497 der Maler Jehan Poyet zu Tours eine ziemlich bedeu- 
tende Zahlung für ein für Anna von Bretagne mit 23 grossen Histo- 
rien und 271 Vignetten ausgestattetes Gebetbuch empfingl). Allein 
dasselbe wird als kleines Gebetbuch bezeichnet (unes petites heures) 
und kann daher nicht wohl mit dem stattlichen Folianten, von dem 
wir jetzt sprachen, identisch sein. Jean Poyet, obgleich er in dieser 
Rechnungsnotiz nur als enlumineur et historieur bezeichnet ist, war 
übrigens, wie wir nachher sehen werden, ein angesehener Maler, von 
Manchen selbst Foucquet vorgezogen. 
Sehr ähnlich, besonders im Styl der historischen Bilder ist ein 
in der grossen Bibliothek befindliches kleineres, aber sehr reich aus-- 
geführtes Gebetbuch (alte Nummer 651. Suppl. lat.), welches, wie 
man aus den am Schlusse angebrachten Wappen vermuthen darf, 
jenem schon erwähnten Rene II. (j 1508), dem Enkel und Erben des 
Prätendenten von Neapel gehörteä). Ich erwähne es hauptsächlich 
wegen der Randverzierungen, welche zwar in der Regel wie in dem 
Codex der Anna von Bretagne aus goldenen oder einfarbigen Leisten 
mit der Imitation darauf liegender schattenwerfender Gegenstände 
bestehen, zum Theil aber sich augenscheinlich an antike Form und 
an den Geschmack der italienischen Renaissance anschliessen. Sie 
sind kandelaberartig, enthalten Genien, Sirenen und ähnliche antike 
Gebilde und geben die dargestellten Dinge, unter denen neben Früchten 
und Blumen auch Perlen und Edelsteine vorkommen, in symmetrischer 
Anordnung. Auch in der Architektur sind italienische Anklänge 
häufig, während die historischen Darstellungen ganz der französischen 
Kunst angehören. 
Die Vorliebe für die Miniaturmalerei und mit ihr der in der- 
selben ausgebildete saubere und elegante Styl erhielt sich noch eine 
Weile und verminderte sich erst im Laufe des 16. Jahrhunderts 
durch den Einfluss der Renaissance, verbunden mit der wachsenden 
L 
1) De Laborde, Renaissance etc. 
2) Vgl. Waagen a. a. O. S. 385. 
273.
        

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