Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174306
Miniaturen ohne Foucquefs Einfluss. 
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von ungewöhnlicher Grösse, die ganze Seite füllend, meistens sehr 
anmuthige Landschaften. Darauf dann die grosse Zahl von Bildern 
mit den Hergängen der evangelischen Geschichte und Legende oder 
1nit heiligen Gestalten. Der Ausdruck der Hauptgestalten ist oft 
schwach und weichlich, der Charakter des Weiblichen und Süssen 
allzu überwiegend. Auch die Zeichnung ist weder sehr correct noch 
sehr wirkungsvoll; der Christuskörper am Kreuze ist dürftig und 
mager, die Bewegungen sind oft steif oder matt. Aber die Köpfe 
sind in der Regel fein gezeichnet und anmuthig, die Augen ausdrucks- 
voll. Ueberhaupt sind die einfachen und zarten Scenen, die Ver- 
kündigung, die Visitation, dann späterhin die h. Anna mit der gar 
züchtig vor ihr stehenden kleinen Maria am besten gelungen. Bei 
den grösseren, figurenreichen historischen Hergängen scheint es durch- 
weg mehr auf die Gesammtwirkung, gewissermaassen auf das Musi- 
kalische des Momentes, als auf die Durchbildung der einzelnen Ge- 
stalten und den Ausdruck ihrer verschiedenen Affecte abgesehen. 
Besonders stark ist diese Schule (denn auch hier haben offenbar 
mehrere Hände gearbeitet) in der Beleuchtung. Sie liebt ein ge- 
brochenes Licht und weiss demselben verschiedenen Ausdruck abzu- 
gewinnen. So macht auf der Kreuzigung die hereinbrechende Fin- 
sterniss und das Hervortreten des durch einzelne goldene Punkte 
angedeuteten Sternenlichtes einen schauerlichen Eindruck, während 
bei der Anbetung der Hirten das nur durch die Laterne des Joseph 
gemilderte nächtliche Dunkel wohlthatig anheimelnd wirkt und das 
heilige Geheimniss, dass der Heiland in die Welt gekommen, uns 
gleichsam zuiiüstert. Bei der Flucht nach Aegypten giebt die auf- 
gehende Sonne eine hoffnungsvolle, bei dem Bilde der h. Magdalena, 
welche noch im vollen Schmucke ihres weltlichen Lebens mit dicken 
Thränen ihre Sünden beweint, der rothgefärbte Abendhimmel eine 
wehmüthige Stimmung. Bei der h. Margaretha ist dem Maler die 
Schlange zur Hauptsache geworden, er hat sie mit der höchsten 
Pracht der Farbe, deren er fähig war, ausgestattet. Neben den 
heiligen Geschichten und Gestalten verdienen dann die Randverzie- 
rungen besondere Erwähnung. Sie sind von der oben beschriebenen 
Art, in viereckigen Streifen bestehend, welche zuweilen die Schrift 
ganz umrahmen, meistens aber nur den äussern Rand bedecken und 
durchweg auf glänzendem Goldgrunde Blumen und Früchte, jene so- 
gar oft mit ihren lateinischen oder französischen Namen, und dabei 
Würmer; Schmetterlinge und andere Insekten, genau der Natur nach- 
gebildet und Schatten werfend enthalten. Zum Theil ist ihre Zeicl1- 
nung steif, „Chevre fueil" ist ein gerader trockener Stock mit sym-
        

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