Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174295
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Französische Malerei 
des 
Jahrhunderts. 
aber auch mehrere Male das Bildniss des Bestellers oder sein Wappen 
in prachtvoller Ausführung vorkommen. Bei dem officium mortuorum 
liegt der Herr von Laval selbst im Panzer und Wappenrock auf 
dem Sarkophage, mit französischer Inschrift, die seine Titel aufzählt, 
während er wiederum, aber nun nackend und bloss, daneben kniet, 
und dem auf dem gegenüberstehenden Blatte dargestellten Weltrichter 
sein miserere zuruft. Das Bildniss Christi hat den breiten, etwas 
starren Typus der flandrischen Schule, das Madonnenbild ist zarter 
als dort, sehr anmuthig und milde. Das landschaftliche Element ist 
auch hier sehr ausgebildet, obgleich die Bäume noch steif sind. Die 
Architektur ist spätgothisch, oft mit Einmischung von Formen, welche 
schon den Uebergang in die Renaissance andeuten, mit runden Bögen, 
breiten, an die Antike erinnernden Kapitälen, Nischen in Muschelform. 
Die Zeichnung ist keineswegs geistvoll, aber glatt und elegant. Gold 
ist mit Verschwendung angebracht, sowohl in den Einrahmungen der 
Schrift, als in den Historien, wo es die Lichter auf Gewändern und 
in der Landschaft bildet. Die Initialen sind wenig bedeutend, etwa 
in Gold auf blauem oder rothem Grunde gezeichnet. Freie Arabes- 
ken kommen nicht vor, sondern alles ist eingerahmt. 
Das reichste und schönste Denkmal dieser Schule ist dann 
endlich das Gebetbuch der Königin Anna von Bretagne, welches bald 
nach ihrer Vermählung mit Ludwig XII. (1498) entstanden sein muss 1). 
Das Format ist klein Folio, die Bilder, welche die ganze Seite füllen, 
haben eine Höhe von etwa 12, eine Breite von etwa 8 Zoll. Ganz 
vorn, gleichsam als Titelblatt, zwei ein Ganzes bildende, auf die 
gleichzeitig aufgeschlagenen Blattseiten gemalte Bilder; auf dem einen 
Blatte am Fusse des Kreuzes Maria mit der Christusleiche nebst den 
treuen Anhängern des Herrn, welche durch roth geweinte Augen und 
etwas theatralische klagende Geberden ihren Schmerz aussprechen; 
auf dem andern die Königin Anna an ihrem Betstuhle knieend und 
zu dem Kreuze hingewendet, begleitet von drei weiblichen Schutz- 
heiligen. Sie ist in reicher Kleidung, ein vortreffliches Porträt 1nit 
angenehmen, sehr individuellen Zügen 2). Dann die 12 Monatsbilder 
1) Früher in der grossen Bibliothek, dann in dem von Napoleon III. gestifteten 
Musee des Souverains im Louvre. Beschreibungen des Buches u. A. bei Waagen, 
 u. K. III. p. 377 und bei Labarte a. a. O. p. 300. Nachbildungen in Farben- 
druck enthält das 1861 bei Curmer in Paris erschienene Werk: Le livre d'heures 
de 1a Reine Anne de Bretagne, traduit du latin et accompagne de notes inedites 
par M. PAbbe Delaunay. 
2) Eine gelungene Nachbildung in Dibdin, A bibliographical tour in France 
811d Germany. London 1821. 
        

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