Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174288
Foucquetw Einfluss. 
ohne 
Miniaturen 
315 
Sehr viel besser ist dann ein in der Hofbibliothek zu Wien bewahr- 
ter Codex, der den allegorischen Roman des bekannten Königs Rene: 
Le roman de la tres douce mercy au coeur d'amour epris enthält. 
„Douce mercy" ist eine Dame, „Coeur" ein Ritter, der jene aus 
allerlei allegorischen "Fahrlichkeiten (Soulcy, Courroux u. s. w.) befreit, 
und das Ganze wird als eine Vision oder ein Traum dargestellt, in 
welchem der königliche Dichter sein eigenes Schicksal erfährt oder 
beklagt. Nur 16 der für Bilder bestimmten Stellen sind benützt, 
die übrigen leer geblieben. Die Ausführung lässt zwei verschiedene, 
aber immerhin sehr geschickte Hände vermuthen, nähert sich in der 
Behandlung des Landschaftlichen und in der Lichtwirkung der iian- 
drischen, lässt aber doch vermöge der milderen Farbe und der sanften 
harmonischen Haltung die französische Schule erkennen. Auf dem 
ersten Bilde sieht man den König im Bett und vor ihm Amor, der 
zwar geiiügelt, Köcher und Bogen in der Hand, aber übrigens in 
eleganter, jugendlicher Tracht, mit blauem Kleide und rothen Hosen, 
das Herz des Schlafenden in der Hand hält und von einem Knappen 
in weissem, mit Flammen geschmücktem Kleide begleitet ist, den er 
als „vif desir" von nun an dem Dienste des edlen Ritters überweist. 
Die ganze Scene ist durch den Reflex eines unter einer-Bank stehenden 
Nachtlichtes sehr anmuthig beleuchtet. Auf den folgenden Bildern 
werden dann die einzelnen Abenteuer des Ritters Coeur geschildert. 
Die Figuren sind gut gezeichnet und zierlich, aber nicht gerade sehr 
ausdrucksvoll, dagegen ist das Landschaftliche der romantischen 
Scenen sehr gelungen. Nächtliche Hergange bei gestirntem Himmel, 
Sonnenaufgang und der noch von der eben untergegangenen Sonne 
beleuchtete Abendhimmel, beide mit Gold erhöht, Gegenden mit wal- 
digem Hintergründe, mit Wiesengrün und nahestehenden Baumen, 
welche Naturstudien erkennen lassen, Flüsse mit Brücken u. s. f, 
wechseln ab und sind gleich anziehend. Nur die offene See, welche 
ein Mal vorkommt, ist zu bewegungslos. 
Ein sehr kostbarer Codex dieses Styls ist dann das lateinische 
Gebetbuch (Nr. 920 M. lat. der grossen Bibliothek zu Paris), welches 
Louis de Lava], grand maitre des eaux et forets unter Ludwig XL, 
etwa um 1480 für sich malen liess, aber bei seinem Tode, wie eine 
Inschrift des schon genannten Robertet uns belehrt, der Tochter 
Ludwigs XL, (Anna von Frankreich, vermachte. Der Bilderschmuck 
ist sehr bedeutend; dem Kalender gehen gleichsam als malerische 
Einleitung fünf Bilder der Schöpfungsgeschichte voraus, später folgen 
dann alle die zahlreichen, in diesen Büchern üblichen Darstellungen, 
zwischen denen wiederholt Brustbilder Christi und der Madonna, dann
        

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