Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174268
Schule. 
Foucquefs 
313 
Bürger von Tours angefertigt wurde (Nr. 1179 lat.), die goldene Le- 
gende (Nr. 243 fit), ein zweites Exemplar der Antiquitäten des Jose- 
phus (Nr. 405 und 406 fr.) und endlich ein Gebetbuch, welches nach 
einer zwar erst 1547 eingetragenen, aber glaubhaften Notiz für den 
Herzog von Lothringen, Reue II. (T 1508), der den Königstitel seines 
gleichnamigen Grossvaters führte, gefertigt ist (früher Nr. 547 suppl. 
lat., jetzt wahrscheinlich Nr. 10,491 lat.). Die Compositionen erinnern 
sehr an Foucquet, und die Formen der italienischen Renaissance 
wiederholen sich hier in ganz ähnlicher Weise, wie bei ihm. Aber 
die Zeichnung ist schwächer und giebt statt der natürlichen Würde 
oft eine falsche Zierlichkeit. Auch andere Bibliotheken, namentlich 
die des Arsenals enthalten mehrere Werke, welche Foucquet's Schule 
verrathen 1). 
Aber es fehlte viel, dass diese Schule zu allgemeiner Herrschaft 
gelangte. Zwar war auch sie echt französischen Geistes und ging 
von denselben Anforderungen aus wie die übrigen französischen 
Künstler und Kunstfreunde. Auch sie schloss sich an die flandrisehe 
Schule an, suchte den Reiz der Porträtähnlichkeit und Individualität, 
des Landschaftlichen und Perspectivischen von ihr zu entlehnen, zu- 
gleich aber sie zu verbessern, sich über die gemeineNatur zu er- 
heben, Schöneres, Edleres zu geben. Nicht also in der Tendenz, wohl 
aber in den Mitteln für diesen Zweck unterschied sich Foifcquet von 
seinen Kunstgenossen. Während er durch zufälligen oder absichtlich 
gewählten frühen Aufenthalt in Italien bestimmtere Anschauungen von 
Idealität erlangtnnd diese durch Nachahmung italienischer Formen, 
oder durch das Studium der dortigen Natur und Kunst sich anzu- 
eignen und in seinen Werken herzustellen gesucht hatte, begnügten 
sich die meisten französischen Maler damit, das Gemeine möglichst 
zu vermeiden und sich nach den Vorbildern zu richten, welche in 
den Augen ihrer Landsleute, namentlich der höfischen Kreise, für 
schön und edel galten. Das äusserlich Glänzende und Prächtige, die 
Häufung des Goldes und edler Stoffe, die natürliche oder conventio- 
nelle Grazie, das Zierliche, Neckische, Anmuthige vertreten daher 
die Stelle des Hohen und Edeln. Es ist begreiflich, dass diese Auf- 
fassung, besonders bei den damaligen Zuständen der französischen 
Gesellschaft, der Mehrzahl vollkommen genügte und eigentlich besser 
zusagte, als eine höher strebende Richtung. Foucqueßs Schule starb 
daher aus, während diese gewöhnliche Auffassung ungemein beliebt 
und begünstigt wurde 2). 
Rabatte a. a. O. S. 293. 
2) Labarte a. a. O. S. 293 glaubt drei Schulen 
französischer Miniaturmalerei
        

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