Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174240
Gemälde Foucquet's. 
Muthmaassliche 
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Gattin erwählt und stattete sie mit reichen Geschenken aus. Unter 
Anderem stiftete er in einer Kapelle ein aus zwei Tafeln bestehendes 
Gemälde, das auf der einen ihn selbst, begleitet von St. Stephan, 
seinem Schutzpatron, auf der andern die Jungfrau mit dem Kinde 
und zwar mit entblösster Brust, also etwa im Begriffe, das Kind zu 
nähren, darstellte. Das Bild wurde, wie wir von Schriftstellern des 
17. und 18. Jahrhunderts erfahren, als eine Sehenswürdigkeit be- 
trachtet; man wusste, dass Estienne Chevalier der Geliebten seines 
Herrn, der schönen Agnes Sorel, nahe gestanden hatte und von ihr 
zum Testamentsexecutor ernannt war, und folgerte daraus, dass er 
nach dem frühen Tode dieser seiner Gönnerin die Züge derselben 
dem Madonnenbilde zum Grunde legen lassen. Dies wurde zu so 
fester Tradition, dass man Oopieen dieser Madonna sowohl mit dem 
Kinde, als auch unter Fortlassung desselben anfertigte, welche den 
Sammlern historischer Porträts als Porträts der Agnes Sorel erwünscht 
waren. Jetzt ist das Doppelbild aus der Kirche zu Melun verschwun- 
den, während zwei Tafeln gleichen Inhalts wie jene an verschiedenen 
Stellen zum Vorschein gekommen sind. Die eine mit der Gestalt" 
des Stifters und seines Schutzpatrons ist glücklicherweise in die 
Hände des Besitzers jener schönen Miniaturen aus dem Gebetbuche 
Foucquets, des Herrn Brentano zu Frankfurt, die andere mit der 
Madonna in das Museum zu Antwerpen gelangt. Beide stimmen in- 
dessen nicht genau überein; das Madonnenbild hat einen bleicheren 
Farbenton und scheint überhaupt die Arbeit eines Copisten 1), während 
der in Frankfurt befindliche Flügel eine grössere Verwandtschaft mit 
der Malweise der Miniaturen und ein kräftigeres, wärmeres Colorit 
zeigt. Dass er einen sehr bedeutenden Eindruck mache, lässt sich 
indessen auch von diesem nicht sagen. Die Haltung der Gestalten 
ist einfach und nicht unwürdig, die Züge sind charakteristisch, aber 
in Einzelheiten wird die Behandlung kleinlich und das Ganze hat 
keineswegs die Lebensfülle, an die wir durch die rlandrische Schule 
gewöhnt sindi). Möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass 
dies Bild, wie die anderen unserm Meister zugeschriebenen Tafelbilder 
in Tempera und nur in gewissen Lasuren mit einem Oel- oder Harz- 
 1) Nach Waagen im Kunstblatt 1856 a. a. 0. soll es auch kleinere Dimensionen 
haben. [VgL hierüber auch Vallet de Viriville in der Revue de Paris, t. XXXVIII 
und J. Renouvier, Jehan de Paris, p. 31.] 
2) [Bei der immerhin stilvollen und originellen Behandlung des Ganzen dürfte 
es doch wohl erlaubt sein, das Bild einem Meister zuzuschreiben und zwar eben 
Foucquet, da ja Schnaase selbst zugiebt, dass es grosse Verwandtschaft mit den 
Miniaturen zeige]
        

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