Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174228
Nachrichten über Foucqueüs Leben. 
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besannen sich aber die Väter der Stadt, dass es rathsam sei, sich 
über die Gesinnung des Königs aufzuklären, und erfuhren nun auf 
ihre Nachfrage, dass dieser Herr, sehr unähnlich seinem Vergnügungs- 
lustigen Vater, daran gar kein Gefallen finde. Die Vorbereitungen 
wurden daher eingestellt und jenen künstlerischen Rathgebern laut 
der städtischen Rechnung eine Entschädigung für ihre vergebliche 
mehrtägige Arbeit gezahlt. Die weiteren Nachrichten über unsern 
Maler sind nicht sehr reichhaltig. Im Jahre 1470 erhielt er eine 
nicht unbedeutende Zahlung für "gewisse Gemälde", die er im Auf- 
trage des Königs zur Vertheilung an die Ordensritter des h. Michael 
gemacht, wahrscheinlich eine nur decorative Arbeit. Im Jahre 1472 
wird ihm eine Reise von Tours nach Bleis vergütet, die er auf Befehl 
der Herzogin von Orleans unternommen, um von ihr die Bestellung 
eines Gebetbuches mit Historien und in Gold und Azur auszuführen- 
dem Schmucke zu empfangen 1). Im Jahre 1474 begann Ludwig XI. 
sich mit seinem Grabmale zu beschäftigen und bestellte zu diesem 
Zwecke zwei Entwürfe, den einen bei Michael Colombe von Tours, 
dem anerkannt bedeutendsten Bildhauer in Frankreich, der ein Modell 
in Stein arbeitete, den andern bei unserm Jean Foucquet, der eine 
farbige Zeichnung auf Pergament lieferte. Ob einer dieser Entwürfe 
im Allgemeinen die Billigung des Königs erhalten, ist nicht ersicht- 
lich; jedenfalls hatte sein darauf anzubringendes eigenes Bildniss 
nicht seinen Beifall. Er beauftragte daher im Jahre 1481 (also nach 
Foucquet's Tode) einen andern berühmten Maler, Meister Nicolaus 
(Colin) von Amiens, zu Verbesserungen, nach denen dann auch später 
durch andere Personen die Ausführung in vergoldetem Kupfer er- 
folgtee). Im Jahre 1475 kommt Foucquet in der Rechnung des 
königlichen Zahlmeisters noch einmal vor und zwar nun nicht mit 
einer Zahlung für ein bestimmtes Geschäft, sondern mit dem Titel 
als „peintre du roi" und mit einer runden Summe „pour entretenir 
son etat", also mit einem Gehalt oder einer nicht üxirten Remunera- 
tion. Im Jahre 1476 endlich finden wir einen Beweis von Foucquefs 
Thätigkeit in der städtischen Rechnung von Tours, indem er für die 
innere Ausmalung eines Baldachins bezahlt wird, unter welchem die 
Stadt den durchreisenden König Alphons von Portugal eingeholt hatte S). 
Im Jahre 1481 war er, wie schon angegeben, bereits verstorben. 
Fouequefs Ansehen erhielt sich noch lange. Der bereits früher 
1) Vgl. de Laborde: Renaissance etc. I. p. 159 mit Grandmaison a. a. O. S. 14. 
2) Vgl. de Laborde a. a. O. p. 59, 60. Der Goldschmidt Konrad von Köln 
und der Kanonier Laurens Wrine übernahmen den Guss. 
3) Grandmaison a. a. O. p. 11.
        

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