Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174197
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des 
Französische Malerei 
15. Jahrhunderts. 
beläuft sich auf 91, von denen einige, namentlich die am Eingange 
jedes der 9 Bücher des Werkes, von bedeutender Grösse, die andern 
in den Text eingeschobenen kleiner sind. Jene scheinen durchweg 
von der Hand des Meisters, diese zwar in seiner Weise und wahr- 
scheinlich nach seinen Skizzen, aber von Gehülfen ausgeführt. Vor 
Allem ist das erste Bild durch seine Grösse (Höhe 40, Breite 29 Centi- 
meter) und seine inneren Vorzüge bemerkenswerth. Es enthält die 
Darstellung eines öffentlichen Gerichtes, bei welchem der König, wie 
es scheint Karl VII. selbst, zwischen seinen Grosswürdenträgern thront, 
der Gerichtshof auf Sesseln mit den französischen Lilien sitzt, der 
Generalprocurator die Anklage verliest, und Wachen das heran- 
drangende Volk zurückhalten. Man kann annehmen, dass dreihundert 
Figuren darauf vorkommen, deren klare Anordnung und charakte- 
ristische Köpfe bewundernswerth sind 1). 
Seitdem durch diese Miniaturen die Aufmerksamkeit auf Foucquet 
gelenkt ist, hat der Fleiss der Forscher aus den Archiven von Tours und 
aus andern Quellen eine Reihe wichtiger Nachrichten über ihn beige- 
bracht. Er war in Tours geboren, wie wir schon aus der Notiz seines 
Zeitgenossen Robertet in dem Manuscript des Josephus wissen; das 
Jahr seiner Geburt ist zwar nicht genau bekannt, muss aber, wie wir 
sehen werden, in die Jahre 1415 bis 1420 fallen. Er wohnte auch, 
wenigstens in seinen späteren Jahren, und zwar seit 1472 als „Maler 
des Königs", Ludwigs XI., in dieser seiner Vaterstadt und starb da- 
selbst etwa 1480, da i. J. 1481 seine Wittwe und Erben urkundlich 
auftreten 2). Vor Allem merkwürdig sind die Nachrichten, welche wir 
durch einen Italiener erhalten. Francesco Florio, ein italienischer 
Humanist, war nach dem Tode Karl's VII. im Gefolge des Grafen 
von Armagnac nach Frankreich gekommen, und lebte hier einige 
Jahre zuerst in Paris, dann in Tours, von wo aus er um 1477 an 
einen italienischen Freund, Jacopo Tarlato, in lateinischer Sprache 
eine Beschreibung von Tours und seiner Umgegend richtete. In 
dieser spricht er dann unter Anderem von einer alten, aber neuerlich 
durch Ludwig XI. ausgeschmückten Kirche, Notre Dame la riche, in 
Histoire de Charles VII. 1661) auch an einem der Familie Chevalier gehörigen 
Hause zu Paris vorgefunden und daher ihm zugeschrieben war. Der Beweis scheint 
nicht sehr schlagend und durch den Umstand, dass diese Devise in dem Gebet- 
buche nicht nachgewiesen werden kann, bedeutend geschwächt; doch nimmt auch 
Labarte a. a. O. S. 285 ihn für genügend an. 
1) Man vermuthet, dass damit die Verurtheilung des Herzogs von Alengon, 
also ein ganz neuer, der Anfertigung fast gleichzeitiger Vorgang (1475) gemeint sei. 
2) Dies ist erst durch Grandmaison a. a. O.' S. 11 erwiesen, während de La- 
horde muthmaasslich das Todesjahr 1485 angenommen hatte.
        

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