Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174139
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Französische Malerei 
des 
Jahrhunderts. 
ergreifende, nachhaltige Wirkung, wie selbstständige grössere Gemälde, 
können und sollen diese kleinen Bilder nicht hervorrufen. Dies wäre 
ihrem Zwecke entgegen; sie sollten den Leser nicht von dem Buche 
ableiten, sondern ihm behüliiich sein, sich in dasselbe zu vertiefen; 
aber sie sollen doch ihn weiter in die geschilderten Hergänge ein- 
führen, als es seine eigene Phantasie vermochte. Und das geschieht 
denn auch oft mit grossem Erfolge, während allerdings bei gewöhn- 
lichem fabrikmässigen Betriebe die Bilder monoton und geistlos" werden 
und der Werth solcher hianilscripte mehr in äusserlicher Eleganz als 
in einer wirklich künstlerischen Bedeutung liegt. 
Zum Glücke befinden sich unter der Zahl der erhaltenen Minia- 
turen auch einige von der Hand des bedeutendsten Meisters dieser 
Schule, des Jean Foucquet von 'l'ours1).  
Von den drei Miniaturwerken, die wir ihm mit Sicherheit zu- 
schreiben dürfen, will ich zuerst die französische Uebersetzung der 
jüdischen Alterthüiner des J osephns in der grossen Bibliothek zu 
Paris (Nr. 247 fr. früher Nr. 6891) nennen, weil sie eine authentische 
Beglaubigung enthält und so die Aufmerksamkeit auf diesen Meister 
gelenkt und ein Erkennen seiner andern Werke ermöglicht hat. Die 
Entstehung der Handschrift selbst fällt vor Foucqnefs Zeit. Johann, 
Herzog von Berry, Bruder KarFs V., den wir schon früher als eifrigen 
Bücherfreund kennen gelernt haben, liess die Abschrift anfertigen 
und übergab sie demnächst seinen Miniaturmalern zur Ausschmückung. 
Sein Tod (1416) unterbrach die Arbeit, nachdem nur die Randver- 
zierungen und die drei ersten Historien vollendet waren, und das 
Buch ging so in die Hände anderer Besitzer über, von denen einer, 
wahrscheinlich der Herzog von Nemonrs, etwa um 1465 Foncquet den 
Auftrag gab, die noch fehlenden Historien, für welche, wie gewöhnlich, 
der Schreiber Baum gelassen hatte, auszuführenil. Durch die Tochter 
und Erbin des Herzogs von Nemours kam demnächst das Buch an 
die Herzöge von Bourbon, und hier war es, wo um 1488 der Secretäir 
1) Vgl. über ihn Waagen,  u. K. III. 371 ff. L. de Laborde, La re- 
naissance des arts ä. 1a cour de Frnnce. Vol. I. p. 155 ff. Passavant in Nanmanxils 
Archiv für die zeichnenden Künste, Band VI. (1860) S. 168 H. Labarte, Hist. des 
arts industriels (1865) III. S. 274 ff. P. Viollet in der Gazette des beaux arts, 
V01. XXIII (1867) S. 97 H. Grandmaison, Notes et documents sur les peintres 
de Pecole de Tours, 1868. Michiels, a. a. O. 2. Aufi. III. p- 165- 
2) Dass "der Herzog von Nemours Eigenthümer des Buches gewesen, ist durch 
eine darin beiindliche Inschrift erwiesen. Dass er die Bestellung bei Foucquet 
und zwar um 1465 gemacht, ist nur eine, aber allerdings wahrscheinliche Ver- 
muthuxig, da der Herzog, welchen Ludwig XI. im Jahre 1477 wegen Hochverraths 
hinrichten liess, um diese Zeit mächtig und reich war.
        

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