Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174057
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Die 
Schlusse des fünfzehnten Jahrhunderts. 
am 
niederländische Malerei 
unmittelbarer Kenntniss des Besitzers. Der letzte dieser drei Namen 
ist uns völlig unbekanntl). Die beiden andern bedürfen der Prüfung. 
Memlings Name stand damals in Italien und besonders auch bei dem 
Cardinal Grimani (wiie das Verzeielmiss seiner Bilder ergiebt) in hohem 
Ansehen. Es ist daher sehr denkbar, dass der Verkäufer diesen 
Namen zur Empfehlung des Werkes gebraucht hat; die Malereien 
selbst aber geben nicht die Ueberzeugung seiner eigenhändigen Mit- 
wirkung, sie sind seinem Style verwandt, aber weicheren Ausdrucks 
und weniger charakteristisch, als seine authentischen Werke. Mit 
dem Namen Gerhard von Gent bezeichnet van Mander einen Künstler, 
über den wir ziemlich genaue Nachrichten besitzen. Er hicss Ger- 
hard HOPGDOUIZ und stammte aus einer, schon seit 1414 in Gent 
nachweisbaren Künstlerfamilie. Sein Geburtsjahr wissen wir nicht, 
doch kommt er von 1510 bis 1519 in den städtischen Rechnungen 
von Gent, aber nur mit unbedeutenden Malerarbeiten vor. Bald 
darauf muss er nach Antwerpen verzogen sein, wo ihn im Jahre1521 
unser Albrecht Dürer und zwar als "Meister Gerhard den Illuministcn" 
kennen lernte, dessen achtzehnjähriges Töchterlein schon eine so aus- 
gezeichnete Miniaturmalerin war, dass Dürer sie wie ein Wunder be- 
trachtete und einen Gulden anwendete, um ein Blättchen von ihr zu 
erhalten. Dass Gerhard besonders als Miniaturmaler bekannt war, 
ergiebt sich auch daraus, dass die Erzherzogin Margaretha, eine kunst- 
liebende, wohlunterrichtete Dame, bei ihm Büchermalereien und Ini- 
tialen bestellte. Später zog er, wie schon Guicciardini erzählt und 
auch sonst urkundlich feststeht, mit seiner ganzen Familie nach Eng- 
land, wo er im Dienste Heinrichs VIII. stand und 1540 starbg). Diese 
Lebensverhältnisse Gerhard Horebout's stehen also der Annahme 
seiner hlitwirkung in diesem Codex keineswegs entgegen, selbst dann, 
wenn derselbe schon um 1493 in Arbeit gewesen sein sollte. Der 
1) Man hat dabei an Livin _de Witte gedacht, den van Mander und der bel- 
gische Historiker Sander rühmend erwähnen. Aber dieser war in Gent (also nicht 
in Antwerpen) und überdies erst im Jahre 1513 geboren, so dass er unmöglich bei 
dem schon im Jahre 1521 im Besitze des Cardinals Grimani befindlichen Codex 
thätig gewesen sein konnte. Vgl. Edmund de Busscher: Recherches sur les 
peintres Gantois. Gand 1866 p. 45 und 312. 
2) Vgl. darüber de Busscher a. a. 0. II. 23, van' Mander (1604) fol. 204, 
v. Guicciardini Belgiae descriptio Antw. 1567 p. 98. Seine Tochter Susanna, die vQn 
Dürer erwähnte Malerin, war in England verheirathet (Fiorillo Gesch. d. Z_ K, in 
Grossbritannien S. 199 und de Busscher a. a. O. S. 310), sein Sohn Lucas war 
ein in Miniaturen und Oelgemälden angesehener Maler und stand wie der Vater 
im königlichen Solde (Nichols in der Archaeologia brit. Vol. 39 und Wornum, 
Some account  of Holbein, p. 196).
        

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