Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174041
Grimani. 
Breviarum 
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Landschaft sitzend, das mit blossem Hemdchen bekleidete, auf ihrem 
Schoosse stehende Christkind, im Begriffe sie zu küssen. Ihre 
Züge sind überaus edel und das Ganze von höchster Schönheit. Das 
Zweite Bild enthält die bekannten Symbole der unbefleckten Ein- 
Pfängniss. 
Es versteht sich von selbst, dass diese umfangreichen Malereien 
nicht von ein und derselben Hand herrühren. Wir erkennen Ver- 
schiedenheiten der Zeicliiiiing sowohl wie der Farbe, neben geringeren, 
nur glatt und gefällig behandelten Blättern kommen tiefere, besser 
charakterisirte vor. Aber alle gehören doch einer und derselben 
Schule an, der des Memling; auch die vorherrschenden Mängel der 
Zeichnung, die steife oder unsichere Haltung der Figuren bei hef- 
Ügeren Bewegungen, hängen damit zusammen, während ruhigere 
SCenen unbedingt gelungen und durch Anmuth und Innigkeit des 
Ausdrucks überaus anziehend, in ihrer Art unvergleichlich sind. Die 
Architektur ist durchweg spiitgothisch, nur mit schwachen Anklängen 
im das Gebälksystem der Renaissance, niemals mit bestimniteren an- 
tiken Formen. 
Man hat darauf aufmerksam gemacht, dass Manches eine nähere 
Beziehung zum Franciscanerorden und zu dem aus diesem Orden 
hervorgegangenen Papste Sixtus IV. andeutetl). Die Festtage der 
heiligen Franciscaner sind im Kalender wie die höchsten Kirchenfeste 
in Roth geschrieben, das Officium des h. Franziscus ist mit ungewöhn- 
licher Ausführlichkeit behandelt. Sixtus IV. wird wiederholt im Bre- 
Viarium genannt und zwar mit einer auf den lebenden Papst deu- 
tenden Phrase (Sanctissimus dominus noster Papa). Es kann daher 
sein, dass das Breviarium von ihm bestellt oder doch zur Ueber- 
Paschung für ihn bestimmt gewesen. Indessen würde dies wohl nur 
Von der Schrift gelten, während die Bilder erst später nach dem Tode 
Sixtus IV. (1484) ausgeführt sein können. Gelegentlich findet sich 
das Wappen Maximilians, welches er erst nach seiner Erwählung 
zum römischen Kaiser (1493) annahni, die Verbindung der burgun- 
dischen Lilien mit dem Reichsadler und eine grosse Zahl der Male- 
reien weist stilistisch erst auf den Anfang des 16. Jahrhunderts hin. 
1m Hause des Cardinals Grimani wurden, wie der Anonymus erzählt, 
die Miniaturen als Werke von Hans Memling, Gerhard von Gent und 
Livin von Antwerpen bezeichnet. Man nannte sogar die Zahl der 
Blätter, welche jedem dieser drei Künstler zuzuschreiben seien. Ohne 
Zweifel alles dies nach der Versicherung des Verkäufers, nicht aus 
Texte zu dem photographischen Werke S. IV und XXXVII. 
19' 
Zanotto im
        

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