Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174037
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Malerei 
Die niederländische 
Jahrhunderts. 
Schlusse des fünfzehnten 
am 
vermachte diesen künstlerischen Schatz der Republik Venedig, in deren 
Besitz es demnächst, jedoch erst einige Jahre später nach dem Tode 
zweier seiner Neffen, die ebenfalls wie er Patriarchen von Aquileja 
und Cardinäle waren, gelangte. Es ist vielleicht das prachtvollste 
Denkmal dieser Art, das überhaupt entstanden ist, mit weit über 100 
grossen und fast unzählbaren kleineren Bildern, geschmückt alle mit 
reichsten Randverzierungen theils architektonischer Art, theils aus 
einzelnen, auf den Grund des Rahmens gestreuten, sehr naturalistisch 
ausgeführten und Schatten werfenden Blumen, Muscheln, Edelsteinen, 
Schmetterlingen und ähnlichen Dingen bestehend. Den Anfang macht 
wie gewöhnlich der Kalender, jeder Monat mit einem grossen und 
mehreren kleineren Bildern versehen 1). Das erste derselben, einen 
vornehmen Herrn (larstellentl, der allein speist mit vier aufwartenden 
Dienern, zwei oder drei Aerzten, mit Jägern, die ihm zur Unterhal- 
tung bei der Tafel Hunde und Falken vorführen. Dann kommen die 
Gebete für die Hauptfeste mit zahlreichen grossen Bildern aus der 
evangelischen Geschichte und alttestamentarischen Parallelen, darauf 
 der Psalter mit Geschichten David's und den symbolisch entsprechen- 
den Begebenheiten Christi. Demnächst die Feste ganzer Klassen von 
Heiligen, Apostel, Märtyrer u. dgl., unter deren begleitenden Bildern 
besonders das mit den heiligen Jungfrauen von grosser Schönheit ist. 
Merkwürdig sind auch die Bilder am Todtenfeste, von denen das 
eine die Sterbestunde eines vornehmen Mannes mit betenden Mönchen, 
trauernden und tröstenden Frauen, Aerzten, Rechtsgelehrten und 
Dienern, ein kleineres eine Art Todtentanz darstellt, wo nämlich der 
Tod sich in ritterliche Kämpfe mischt, und endlich ein zweites grös- 
seres Bild die kirchliche Feier und die Beerdigung giebt. Darauf 
folgen dann die Feste der einzelnen Heiligen, eröffnet durch eine 
grosse Darstellung des Paradieses und begleitet von etwa 50 Heiligen- 
bildern. Die beiden nebeneinanderstehenden Schlussblätter sind dann 
der Verherrlichung der Jungfrau gewidmet und gehören zu den 
schönsten Zierden des Werkes. Auf dem ersten ist sie selbst (Knie- 
stück und dadurch etwas grössere Dimension) dargestellt, in lieblicher 
Vgl. Waagen im Kunstbl. 1847 Nr. 49 und besonders den vortrefflichen Aufsatz 
von Harzen in Naumannls Archiv für die zeichnenden Künste Band IV. S. 6. 
1) Vortreffliche Auskunft giebt das Werk: Facsimile delle miniature contenute 
nel Breviario Grimani  eseguite in fotogratia da Antonio Perini, con ilustra- 
zioni di Francisco Zanotto. Venezia 1862, 40.  Sehr eigenthümlich ist, dass im 
Kalender in einer grau in grau ausgeführten Vignette über jedem Monate Gott 
Vater als Lenker der Zeit dargestellt ist. Er sitzt in päpstlicher Tracht mit 
Sßgnender Hand auf einem Wagen, den zwei geflügelte, eiligst laufende Russe ziehn.
        

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