Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1174015
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Malerei am 
Die niederländische 
des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Söhlusse 
heiter geschmückt, die ernsten Gegenstände aber höchst ausdrucks- 
voll und von grosser Tiefe. So besonders der Christuskopf, mit dem 
das Werk beginnt; dann die Ausgiessung des h. Geistes, bei welcher 
die Jünger nicht, wie sonst, ruhig sitzend, sondern einzeln und zer- 
streut, wie von dem Nahen des h. Geistes ergriffen und aufgeregt, 
knieend die hohe Gabe empfangen. Weiterhin würden dann noch 
die Trinität und andre Bilder als vorzugsweise bedeutend herauszu- 
heben sein. Die Ausführung scheint sich bis in das 16. Jahrhundert 
hinein verzögert zu haben, da sich in einigen der späteren Bilder 
schon Anklänge an Renaissancearchitektur finden, während die anderen 
häufig an Roger van der Weyden und besonders an Memling erinnern. 
Diesem an die Seite zu stellen ist ein Breviarium in der königlichen 
Privatbibliothel: zu Turin mit lateinischen und französischen Gebeten, 
dessen ilandrischer Ursprung sich nicht bloss durch den Styl der 
Malerei, sondern auch dadurch ergiebt, dass der Name des h. An- 
tonius in iiandrischer Version (Sancte Enthoenis) geschrieben und 
"St. Benigne ausdrücklich als Apostel von Burgund bezeichnet ist. 
Hier sind besonders die Bilder, welche die Monate des Kalenders 
charakterisiren, sehr ausgeführt und voll feiner poetischer Gedanken: 
sie bestehen stets aus zwei zusammengehörigen Bildern und geben 
beabsichtigte Gegensätze. So der April und Mai zwei Liebesge- 
schichten; im April die eines feinen, wohlerzogenen Paares, das auf 
dem ersten Bilde sich sittig und zurückhaltend grüsst, auf dem 
zweiten aber mit verschlungenen Händen sitzt; im Mai ist der Her- 
gang anderer Art; die Liebenden, bäuerisch gekleidet, küssen sich 
auf dem ersten und streiten auf dem zweiten Bilde. Französische 
Sprüche, die reichlich eingeiiochten sind, erleichtern dann die Moral 
zu finden. Noch bedeutender ist ein Breviarium in klein Folio in 
der Universitätsbibliothel: zu Turin, mit vielen Bildern, die oft drei 
Viertel der Seite füllen, mit reichen landschaftlichen oder architek- 
tonischen Hintergründen, die Figuren etwa im Style des Memling 
ausdrucksvoll und überwiegend in ernstem Charakter gehalten. Voran 
auch hierChristus mit der krystalleuen Himmelskugel. Bei dem 
Hymnus: Veni creator spiritus ist die Pfingstprozession in der Kathe- 
drale von Antwerpen dargestelltl). 
1) Auch hier mag sich eine Naehweisung ähnlicher reicher Andachtsbücher 
üandrischer Schule anschliessen. In der burgundischen Bibliothek zu Brüssel die 
Horen Philipp7s d. G. Nro. 9611 und der Psalter Nro. 9961. Im Haag in der 
K. Bibliothek ein Gebetbuch vom Jahre 1435 und im Museum Meermannianum 
vom Jahre 1438 (Waagen, im D. K. Bl. 1852 S. 255), beide wahrscheinlich in den
        

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