Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173977
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Schlusse des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Die niederländische Malerei am 
sind bedeutend besser und so vorzüglich, dass man sie den Brüdern 
van Eyck zuschreiben zu dürfen geglaubt hatl). Auch das Andre, 
ein Breviarium in Grossoctav in der grossen Bibliothek zu Paris, hat 
sich noch nicht ganz von der früheren Behandlungsweise entfernt, 
die Hintergründe der meisten Bilder sind golden oder scl1achbrett- 
artig, andere jedoch in zierlicher, ganz landschaftlicher Ausführung. 
Aber die Figuren sind sehr lebendig und anmuthig, die Zeichnung 
ist oft geistvoll, die Köpfe zeigen schon das Bestreben nach grösserer 
Individualität und das Ganze verräthaeinen starken Einfluss der 
Brüder van Eyck, so dass man es wohl als ein Werk ihrer Schule 
bezeichnen kann 2). Die Randverzierungen bestehen zum Theil noch 
im Geschmacke des vierzehnten Jahrhunderts aus leichten Zügen mit 
goldenem Blattwerk und eingemischten Figürchen. Oft aber enthalten 
sie schon Blumen und Früchte in grösserer, naturalistischer Ausfüh- 
rung, wie sie fortan immer mehr beliebt wurden. 
Sehr viel bedeutender sind dann die 17 Blätter in der kaiser- 
lichen Bibliothek zu Wien, welche, begleitet von einem kurzen Texte, 
die Geschichte der christlichen Könige von Jerusalem darstellen. 
Sie sind, wie Wappen und Devise ergeben, für Philipp den Guten 
und zwar nach der Stiftung des goldenen Vliesses (1430), jedoch vor 
1447 gemalt, da sich in einem andern, in diesem Jahre geschriebenen 
Codex eine Oopie aus jenem befindet. Es sind Bilder von grossem 
Verdienste, welche Uebung in historischer Composition verrathen, in 
schönster, landschaftlicher Ausführung und mit freier, meisterlicher 
Behandlung, und man darf hier wirklich annehmen, dass ein bedeu- 
tender Meister, vielleicht Roger van der Weyden, an den Vieles er- 
innert, dabei mitgewirkt hatß). 
1) Abbildungen bei Dibdin: Bibliographical Decameron, I. p. 138 und Remi- 
niscences of a litcrary life II. p. 973. Vgl. Waagen W. K. u. K. in England II. 382. 
2) Waagen a. a. O. III. 351 if. geht jedenfalls zu weit, wenn er die unmittelbare 
Betheiligung beider Brüder van Eyck und ihrer Schwester Margaretha annimmt 
und jedem von ihnen bestimmte Bilder zuweisen zu dürfen glaubt. Das Ganze 
trägt, obgleich man verschiedene Hände unterscheiden kann, denn doch das gleiche 
Gepräge gewerblicher lliiniaturarbeit. Aber unter den Mitarbeitenden sind einige 
von besserer Begabung, welche durch die neuen Motive der Eyck'schen Schule 
angeregt, sie mit Lebendigkeit und Begeisterung vorzutragen verstehen. Die Ent- 
stehungszeit wird durch den Tod des Herzogs von Bedford (1435) begrenzt, und 
die unterlassene oder unvollendete Ausführung. einiger Bilder, deren Stelle ange- 
deutet ist, mag eben durch seinen Tod veranlasst sein. Waagen's Annahme der 
Entstehung um d. J. 1424 gründet sich bloss darauf, dass im Kalender die Be- 
rechnung der Schaltjahre mit diesem Jahre anfängt, was natürlich nicht ent- 
scheidend ist. 
s) Vgl. Waagen im K. B1. 1847 S. 194 und Kunstdenkmäler Wiens II. 40 E.
        

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