Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173941
Die Miniaturmalerei. 
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langsam von der llliniatur; man liebte den Beiz der Phantasie und 
den Ausdruck der Behaglichkeit, welche die kleinen Dimensionen 
geben, dmanwwolltemnoch immer eine Fülle der Dinge im engen Raum 
zusammendrangen. Auch bestanden die Ursachen noch immer, welche 
die llliniaturmalerei begünstigt hatten. Noch immer, auch nachdem 
die Buchdruckerei erfunden war, zog man die Handschriften vor, noch 
immer forderte der Luxus der Vornehmen Antlachtsbüchei" mit reichem, 
malerischem Schmuck, während zugleich der wachsende Trieb nach 
Belehrung es mit sich brachte, dass "man auch in historischen oder; 
poetischen Werken malerische Illustrationen liebte. wPhilipn der Gute 
hatttewdie "Liebhaberei für kostbare Bücher vom französischen Hofe 
mitgebracht und benutzte die Kräfte seines neuen Landes, um darin 
alles bisher Geleistete zu tibertreften. Seine Bibliothek galt schon 
in der Mitte seiner Regierung für die erste in Europa, und er be- 
soldete beständig in verschiedenen Ländern Gelehrte, Uebersetzer 
und Schreiber, um sie zu vermehren 1). Auch der kriegerischevKarl 
der Kühne theilte diese Neigung, und die Grossen ihres Hofesufolgten 
dem Beispiele ihrer Gebietere). Die Bibliotheque de Bourgogne, jetzt 
mit der königlichen Bibliothek von Brüssel verbunden, verdankt dieser 
Liebhaberei den seltenen Reichthuni von etwa Zwanzigtausend, grössten- 
theils kostbar geschmückten Mantlscripten, während auch andere 
Bibliotheken solche Wlerke besitzen, die zufolge ihrer lnschriften und 
Dedicationsblatter für den burguntlischen Hof geschrieben sind. Es 
scheint nicht, dass die Meister ersten Ranges sich oft bei diesen 
Arbeiten betheiligten. Johann van Eyck erhält zwar zufolge der 
herzoglichen Rechnung ein Mal eine Zahlung für ein Andachtsbuch, 
1) David Aubert in der Einleitung zu seiner um 1443 für Philipp geschriebenen 
Chronique de Naples erzählt, dass dieser Fürst „en diverses contrees grands clercs, 
orateurs, et translateurs a ses propres gages" unterhalten habe. David Aubert 
selbst gehörte dazu und lieferte, wie sich nachweisen lässt, in den Jahren 1438 
bis 1475 eine Reihe von umfangreichen Werken, welche darauf schliessen lassen, 
dass er die Arbeit nur dirigirte und zahlreiche Gehülfen dabei hatte. Vgl. Alwin 
Schultz in der Beschreibung der Bilderhandschrift des Froissard, Breslau 1869. 
Ein andrer Gelehrter, der ebenfalls zahlreiche Bücher für den Herzog fertig stellen 
liess und lieferte, war Magister J ehan Mielot (De Laborde, Ducs de Bourgogne, t. I. 
Nro. 1430, 1603, 1812, 1841); anfangs 1449 wird er für einzelne Uebersetzungen 
bezahlt, später bezieht er als Secretaire des Herzogs et translateur de ses livres 
festes Gehalt und zuletzt (1461) ist er Canonicus in Lille. 
1') „Les hystoires Martiniennes" (Nro. 9069 d. Bibl. de Bourgogne) waren 
Eigenthtim des Charles de Croy, Comte de Chinay. Der reiche Louis de Gruithuyse 
hinterliess bei seinem Tode 1492 eine kostbare Sammlung, welche von seinen Erben 
an Ludwig XII. verkauft wurde und noch jetzt die Pariser Bibliothek ziert.
        

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