Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173934
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Schlusse 
Malerei am 
Die niederländische 
Jahrhlind ertS. 
des fünfzehnten 
seiner Todesart beizugeben pflegt, und der Knabe scheint durch die 
Nägel in seiner Hand auch als Märtyrer bezeichnet. Vielleicht also, 
dass wir hier mit einer allerdings in der itlandrischen Schule nicht 
gewöhnlichen Vermischung den Stifter und die Seinigen in der Tracht 
und mit den Insignien ihrer Schutzheiligen dargestellt sehen 1). 
Wir müssen hier die Geschichte der altiiandrischen Schule. 
schliessen. Von den Tagen derBrüder van Eyck an hatte sie sich 
fast ein Jahrhundert in bewundernswerther Uebereinstimmung und 
in unverminderter Frische erhalten. Immer machten sich individuelle 
Anschauungen und neue Bestrebungen geltend, aber nicht als stür- 
mischevNeuerungen, welche das ruhige Wachsthum störten, sondern 
nur als leichte Bewegungen der Luft, welche die Atmosphäre reinig- 
ten und die" Beständigkeit der Witterung erhielten. Wenn Roger 
van der Weyden und Dierick Bouts von der Geistesrichtung der 
Brüder van Eyck freilich in sehr mässigem Grade abwichen, so sind 
ihre Schüler Memling und selbst Gerhard David wieder ganz die 
Geistesverwandten jener Stifter der Schule. Mit dem Anfange des 
sechszehnten Jahrhunderts, noch vor dem Tode des letztgenannten 
Meisters, bei seinen um wenige Jahre jüngeren Landsleuten und Zeit- 
genossen machten sich aber Tendenzen geltend, die über die Grenzen 
jener Schule hinausgingen und in eine neue Epoche hinüber führen. 
Wir werden sie daher erst später im Zusammenhange mit dieser be- 
trachten, nachdem wir zuvor die künstlerische Bewegung in den 
anderen Ländern zur Zeit und unter dem Einflüsse dieser altiiandri- 
schen Schule beobachtet haben. 
Für diese bleibt uns nur noch übrig, einen Blick auf die 
Wirkung zu werfen, welche die neuerfundene Oelmalerei auf die 
ältere Gattung der Miniaturmalerei ausübte. In gewissem Sinne 
kann man behaupten, dass beide Kunstzweige in einem inneren 
Gegensatze zu einander stehen. Je mehr Auge und Sinn sich an 
die breitere Technik und den leuchtenderen Glanz der Oelfarbe ge- 
wöhnten, je mehr die Consequenz dieser Malweise zur coloristi- 
schen Behandlung hinführte, desto mehr verliert die Miniatur an 
Interesse und Bedeutung. Während der Blüthe der altllandrischen 
Schule trat dies noch nicht ein; die Oelmalerei entfernte sich nur 
f)  über Gerhard David auch: Crowe und Cavaicaselle, _Geschichte der 
altmederländischen Malerei, deutsche Originalausgabe von Anton Springer, S. 337 1111
        

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