Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173896
276 
fünfzehnten Jahrhunderts. 
des 
Die niederländische Malerei am Schlusse 
einem Sohne, dort seine Gattin mit vier Töchtern, beide Gruppen 
von Schutzheiligen begleitet. Auf den geschlossenen Aussenseiten 
der Flügel sieht man die Jungfrau mit dem Kinde sitzend, davor 
eine Frau mit einem etwa fünfjährigen Kinde knieend. Eine all- 
gemeine Verwandschaft mit Memlings Bildern war nicht Zu verkennen; 
bei näherer Kenntniss der ilandrischen Schule fand man jedoch auch 
Verschiedenheiten, die es bedenklich machten, ihm das Werk zuzu- 
schreiben. Waagen war es, der diesen Zweifel zuerst aussprach. 
Er fand hier eine andere Gefühlsweise, einen abweichenden Charakter 
der Köpfe, eine andre mehr auf das Detail der Natur, auf die Ver- 
schiedenheit der Baumarten und der einzelnen Blumen eingehende 
Behandlung des Landschaftlichen, eine genauere Beobachtung der 
Luftperspective, einen weicheren Vortrag des Pinsels. Er stellte 
daher dies Werk mit einer Reihe von anderen zusammen, in denen er 
dieselbe Hand zu erkennen glaubte und unter denen sich auch jene 
beiden obenerwähnten Bilder, das von Rouen und das aus der Ge- 
schichte des Kambyses, befanden, deren Urheber damals noch nicht 
bekannt war. Diese Ansicht war so wohl begründet und so über- 
zeugend, dass sie mehr und mehr die Zustimmung der Sachverstän- 
digen erhieltl). Dazu kam dann, dass es dem eifrigen Forscher 
James Weale gelang, die Herkunft des Bildes und die Geschichte 
der stiftenden Familie zu ermitteln und durch dieselbe mit Rücksicht 
auf das Alter der portratirten Kinder festzustellen, dass es erst um 
das Jahr 1508, also lange nach Memlings Tode gemalt ist  Für 
die Urheberschaft Gerhards ist aber die grosse innere Ueberein- 
stimmung des Werkes mit dem in Rouen und besonders die Wieder- 
kehr des weiblichen Gesichtstypus, der auf letzterem vorherrscht, 
entscheidendß). 
Mit ganz gleicher Sicherheit kann man ihm zwei kleine Bilder 
zuschreiben, welche beide die Madonna mit dem Kinde in reicher 
Landschaft und in Gesellschaft von mehreren weiblichen Heiligen 
darstellen, das eine in der Pinakothek zu lllünchen, das andre im 
1) Waagen, im Kunstbl. 1847 S. 211, dehnte nach der Gewohnheit der da- 
maligen Forscher seine Vermuthung auf eine zu grosse Zahl von Bildern aus und 
irrte, indem er sie dem Johannes Gossaert (Mabuse) zuschrieb. Vorsichtiger waren 
Crowe und Cavalcaselle bei ihrer Zustinimung S. 274 der englischen Ausgabe, 
Band II. S. 52 der französischen. 
2) James Weale, Oatalogue du Musee de PAcad. de Bruges, 1861 S. 64. 
ß) Michicls, V01. IV. p. 149 bestreitet diese Aehnlichkeit, während er sie V01. II. 
p. 357 bei Besprechung des Bildes von Rouen, dessen Autor man damals noch 
nicht kannte, ausdrücklich geltend gemacht hat.
        

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