Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173863
in Brügge. 
Gemälde David's 
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heiligen Jungfrauen (alle reich geschmückt, meistens mit Büchern in 
der Hand). Hinter diesen steht auf der einen Seite ein Mann, auf 
der andern eine Frau in bürgerlicher Tracht, jenes vielleicht der 
Maler selbst als Stifter des Gemäldes, diese vielleicht die in jenem 
Inventar genannte Frau, welche die Tafeln dazu geschenkt hatte. Die 
Figuren reichen bis an den Rand und bedurften keines Hintergrundes. 
Das Bild (7 Fuss 4 Zoll breit, 4 Fuss 11], Zoll hoch) ist in jeder 
Beziehung meisterhaft, von vortrefflicher Zeichnung und Nlodellirung, 
von warmer, leuchtender Farbe, aber in jeder Beziehung weich ge- 
halten, ohne starke Gegensätze 1). Die Züge der Heiligen zeigen deut- 
lieh eine ideale Tendenz, sie geben den Ausdruck der Reinheit und 
Anmuth, einer seligen Ruhe und Befriedigung und erinnern an Mem- 
ling's Vermählung der h. Katharina; aber sie unterscheiden sich 
durch die Vorliebe für einen besondern Typus, der bei der Jungfrau 
Maria und dem Kinde den Charakter des Porträtartigen trägt. 
Von einer andern Seite lernen wir unsern Meister auf zwei zu- 
sammengehörigen Tafeln in der Akademie zu Brügge kennen. Zu- 
folge der Rechnungen der städtischen Verwaltung erhielt er zu ver- 
schiedenen Malen in den Jahren 1487188, 1491, 1498199 Zahlungen 
„für gewisse Schildereien, von ihm gemalt in der Schöffenkammer". 
In der Akademie zu Brügge befinden sich nun zwei aus dem dortigen 
Rathhause stammende Tafeln, welche die Bestrafung eines ungerechten 
Richters, mithin einen Gegenstand darstellen, wie ihn die damalige 
Sitte für Gerichtszirnmer forderte, und von denen die eine in ziem- 
lich grosser Inschrift die Jahreszahl 1498 trägt. Nlan kann bei dieser 
Uebereinstimlnung der Daten und des Gegenstandes nicht zweifeln, 
dass diese Bilder zu den in jenen Rechnungsnotizen erwähnten ge- 
hören, auch entdeckt man auf ihnen trotz der grossen Verschieden- 
heit des ersten Eindrucks die stylistische Verwandschaft mit jenem 
ersten beglaubigten Bilde 2). Wir haben schon früher gesehen, dass 
man es liebte, diesen warnenden Bildern der Geriehtgssale stets andere 
geschichtliche Thatsachen zum Grunde zu legen. In Brüssel und 
1) Eine sehr gute Abbildung giebt Förster in seinen "Denkmalen", das letzte 
Blatt des Werkes, wonach unser Holzschnitt gefertigt ist. 
2) Der Name des sonst unbekannten Anton Claissens, welcher dem Bilde 
lange (vielleicht zuerst von Descamps in seinem Reisewerke) beigelegt wurde, ent- 
behrt jeder Begründung und beruht auf irgend einem Missverständnisse. Siret im 
Journal des beaux arts Vol. XI. p. 52, 53 erhebt Bedenken gegen die Beziehung 
der betr. Rechnungsnotizen auf unsere Tafeln. Indessen scheinen sie ausden von 
Weale im Beifroi Vol. III. p. 334 dagegen geltend gemachten Gründen nicht 
erheblich. 
Schnaasds Kunstgesch. VIII. 13
        

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