Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173849
Gerhard David. 
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eines gewissen Johann David in Ondewater, wahrscheinlich bald nach 
der Mitte des Jahrhunderts geboren, seit 1484 aber Mitglied der 
Malergilde zu Brügge, in welcher er schon 1488 und dann Wiederholt 
Ehrenämter bekleidete. Er starb daselbst 1528 mit Hinterlassung 
einer bereits verheiratheten, volljährigen Tochter. Van Mander er- 
wähnt ihn unter dem Namen Gerhard von Brügge mit einer kurzen 
Bemerkung, Guicciardini und Vasari scheinen nichts von ihm ge- 
wusst zu haben 1). Die archivalischen Nachrichten beweisen, dass er 
als ausgezeichneter Künstler anerkannt und berühmt war, und seine 
noch erhaltenen und durch die neueren Forschungen erwiesenen Bilder 
bestätigen dies vollkommen. Zu diesen Bildern gehört vor Allem 
eines, das sich jetzt im Museum zu Rouen befindet, aber unzweifel- 
haft aus dem im Jahre 1785 aufgehobenen Kloster der Carmeliterinnen 
zu Brügge stammt. Ein im Jahre 1537 aufgenommenes Inventar dieses 
Klosters und seiner Kirche erzählt ausführlich, dass das schöne Bild des 
Hauptaltars im Jahre 1509 von Meister Gerhard gemalt und dem Kloster 
geschenkt sei. Die fernere Geschichte des Bildes ist vollkommen fest- 
gestellt; es blieb bis zur Aufhebung des Klosters an seiner Stelle, wurde 
dann in Brüssel mit der Angabe seines Ursprungs aus jenem Kloster 
öffentlich verkauft, gelangte 1803 aus der Sammlung des Ansteigerers 
in das Magazin des Louvre und wurde von hier aus im Jahre 1805 
dem Museum zu Rouen überwiesen. Es zeigt in genauer Ueberein- 
stimmung mit der Beschreibung in jenem Inventar vom Jahre 1537 
„die Jungfrau mit dem Kinde", welches eine Traube hält (Fig. 23), zur 
Seite zwei Engel (Cither und Geige spielend) und eine grosse Zahl von 
Weale, der die Resultate zunächst im Katalog des Museums der Akademie zu 
Brügge 1861 S. 26, dann nach weiteren Entdeckungen in der Zeitschrift Le Beifroi 
Vol. I. p. 223, Vol. III. p. 334 ff. und in der Gazette des Beaux Arts V01. XX. 
p- 542, V01. XXI. p. 489 ff. publicirt hat. Vgl. auch Michiels IV. 131 ff, der die 
Nachrichten sehr vollständig zusammenstellt, freilich fast ohne Andeutung der 
Quellen. 
1) Wenn GuicciardinHAntwerp. 1582 p. 151)  und nach ihm Vasari (XIII. 153) 
unter den vorzüglichen Miniaturmalern neben Simon Beninc u. A. auch einen 
Gerhard nennen, so ist man nicht berechtigt, dies (wie haulig geschehen) auf 
Gerhard David zu beziehen, vielmehr ist wahrscheinlich Gerhard Horebout ge- 
meint, da dieser vorzugsweise als Miniaturmaler berühmt war. Van Mander unter- 
scheidet beide Künstler sehr deutlich, indem er (fol. 204, 205) Gerhard Horebout 
als Gerhard von Gent, unsern Gerhard aber (von dem er nichts weiter wusste, 
als dass Peter Pourbus ihn als einen ausgezeichneten Maler gerühmt habe), als 
Gerhard von Brügge bezeichnet. Wenn Waagen (Handbuch I. 140 1T.) die dem 
Gerhard David gehörigen Bilder dem Gerhard Horebout zuschrieb, so war das 
nicht eine Verwechselung, sondern (da der Name Gerhard Davidls damals noch 
unbekannt war) eine von der Namensahnlichkeit unabhängige Hypothese.
        

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